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5. Lebensjahr

«Doktorspiele» oder Körpererkundungsspiele sind ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Kinder erkunden dabei neugierig ihren Körper, lernen Unterschiede kennen und entwickeln ein erstes Gefühl für Scham, Privatsphäre und Grenzen.

Kurz und bündig

  • Soziale Beziehungen werden emotional intensiver.
  • Kinder interessieren sich für Körper, Herkunft, Nähe und Zugehörigkeit.
  • Schamgefühl und der Wunsch nach Rückzug nehmen zu.
  • Eltern helfen, Gefühle einzuordnen und Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln.

Doktorspiele und Körpererkundung im Kindesalter

«Doktorspiele» bzw. Körpererkundungsspiele sind in diesem Alter zentral. Mit dem Begriff ist gemeint, dass zwei oder mehrere Kinder im gleichen Alter sich freiwillig gegenseitig betrachten oder sich voneinander untersuchen lassen. In Form von unterschiedlichen Rollen- oder Familienspielen («Als-ob-Spiel») eignen sich die Kinder ihren Körper selbstbestimmt und neugierig an. Von Interesse ist auch, wie das Baby in den Bauch gekommen ist und wie es dort wieder rauskommt.

Wie bei anderen Spielen auch, interessieren sich einige Kinder mehr, andere weniger dafür. Manche schauen zu, andere sind interessiert daran, sich zu berühren um beispielsweise die Unterschiedlichkeit der Geschlechter zu «erfassen». Manche spielen auch Verhaltensweisen aus der Erwachsenenwelt nach, wie beispielsweise heiraten und sich küssen oder andere Dinge, die sie in den Medien beobachtet haben.

Diese körperliche Tätigkeit lösen bei Eltern und Sorgeberechtigen oftmals Stress aus. Diese Entwicklungsphase kann Erwachsene herausfordern, denn sie macht es notwendig, mit Kindern und auch mit anderen Erwachsenen offen über körperliche Entdeckungen und passende Grenzen zu sprechen. Auch wenn es neu und unangenehm sein kann: «Sprechen sie über gesunde und grenzüberschreitende Verhaltensweisen bevor schwierige Situationen eintreten.»

Grenzen, Privatsphäre und Orientierung durch Erwachsene

Aus der Perspektive der Kinder kann sich dieses Spiel lustvoll und aufregend anfühlen. Meist entwickeln Kinder in diesem Alter bereits ein Schamgefühl und ziehen sich für diese Spiele auch zurück, sie möchten ungestört sein.

Das Abgrenzungsverhalten und der wachsende Sinn für Privatsphäre sind von den Erwachsenen zu unterstützen. Sie dürfen aber nicht sich selbst überlassen werden, sondern brauchen Orientierung und das Wissen um die Spielregeln.

  • Kinder die mehr als 2 Jahre älter sind und Erwachsene sind nicht anwesend
  • Hilfe holen oder das Spiel verlassen ist immer erlaubt
  • Erklären Sie, was Körperöffnungen sind (Nase, Ohren, Augen, Mund, Anus, Harnröhre, Vagina) und dass dort nichts eingeführt wird.
  • Kein Kind macht dem anderen weh
  • Kinder bestimmen selbst, was/wieviel sie schauen, zeigen, berühren wollen
  • Das Spiel ist freiwillig und macht nur Spass, wenn die Ampeln bei allen auf grün sind

 

Was ist ok bei Rollenspielen? Hier erfahren Sie mehr:

Das können Sie im Alltag tun

  • Mit Erwachsenen über Abmachungen rund um Körpererkundungsspiele sprechen und zusammen abmachen, was Ihnen wichtig ist und welche Regeln bei Ihnen zu Hause gelten.
  • Sie können die Körpererkundungsspiele auch abbrechen oder andere Spielideen geben, wenn Sie kein gutes Gefühl haben. «Heute bleiben die Kleider an beim Spielen.» oder «Klopf, Klopf – alle ziehen ihre Kleider an. Wir nehmen die Knete / Musikbox / den Ball und machen …»
  • Achten Sie bei den Büchern auf einen altersgerechten Mix zu vielfältigen Familienformen, Gefühlen, Körperlexikon, Grenzen, Geheimnisse.
  • Antworten Sie einfach und leichtverständlich auf die Fragen des Kindes z.B.: «Damit ein Baby entstehen und wachsen kann, braucht es 3 Dinge: Eine Eizelle, eine Samenzelle und einen Ort zu wachsen namens Uterus oder Gebärmutter.» Wenn das Kind weiter fragt, kann erklärt werden, woher die jeweiligen Zellen stammen und wie diese den Weg zueinander finden. «Die Zellen kommen aus den Hoden und den Eierstöcken, sie finden sich zum Beispiel, wenn die Vagina den Penis auf Besuch einlädt. Die meisten Menschen nennen das Sex. Das ist etwas, was nur Erwachsene miteinander machen. Manchmal hilft ein Arzt oder Ärztin dabei, dass eine Eizelle und eine Samenzelle zusammenkommen. Das nennt man künstliche Befruchtung.
  • Sprechen sie mit Kindern darüber, an welche sicheren Personen sie sich wenden können, wenn schwere, ungute Gefühle haben. (Das kann nebst Elternteilen ein:e Nachbar:in, Lehrperson, Pate oder Patin, Elternteil von Schulkamerad:innen etc. sein)

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.