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6. Lebensjahr

Kinder entwickeln ein zunehmendes Schamgefühl, ein differenziertes Körperbewusstsein sowie ein wachsendes Verständnis für Geschlechtsidentität, Rollenbilder und Medien – eine Phase, in der sie Orientierung, Begleitung und Bestärkung brauchen.

Kurz und bündig

  • Kinder verstehen soziale Regeln, Sprache und Zusammenhänge zunehmend besser.
  • Fragen zu Körper, Geschlecht, Beziehungen und Medien werden gezielter.
  • Gruppenzugehörigkeit und Rollenbilder gewinnen an Bedeutung.
  • Eltern begleiten durch altersgerechte Informationen, Gespräche und Respekt vor der Privatsphäre.

Scham, Körperwissen und Mediennutzung bei Kindern

Kinder sind immer noch sehr neugierig. Durch die Sprachentwicklung rückt jedoch der direkte, unbefangene Körperkontakt etwas in den Hintergrund. Das Interesse und Lustempfinden rund um den Körper und die Sinne sind immer noch vorhanden. Gleichzeitig entwickelt sich aber das eigene Schamgefühl weiter und manche Dinge werden weniger offensichtlich geteilt. Wie alle Gefühle, hat auch die Scham eine wertvolle Funktion. Sie schützt die Intimsphäre und hilft die eigenen Grenzen zu schützen. Akzeptieren sie diese Grenzen und signalisieren sie dem Kind auf diese Weise, dass es seiner eigenen Wahrnehmung trauen kann. Kinder stellen fest, dass Erwachsene weniger offen auf körper- und sexualitätsbezogene Fragen antworten. Sie verstehen zunehmend, dass es im Zusammenleben unterschiedliche Regeln gibt und Dinge, über die «man» leichter spricht oder am liebsten gar nicht. Eine sexuell aufgeladene Sprache oder Witze erzeugen nach wie vor Spannung bei den Kindern. Durch erklärende Gespräche lernen Kinder, welche Worte beleidigend, verletzend oder diskriminierend sind und welche okay sind.

Kinder können zunehmend kompliziertere Zusammenhänge verstehen. Um Fragen beantworten zu können, erkundigen sie sich auch bei Gleichaltrigen oder nutzen bei Gelegenheit auch Medien mit Internetzugang. Sobald 1. Klässler:innen die ersten Worte schreiben oder lesen können, tippen sie Worte, die sie aus ihrem Umfeld wahrnehmen mit grosser Neugier auf dem Tablet oder Handy ein, ohne zu wissen, was ihnen entgegenkommt. Daher sind sexuelle Bildung und der kompetente Umgang mit Medien eng miteinander verknüpft. Kümmern sie sich von Anfang an um altersgerechte Nutzungsmöglichkeiten und begleiten sie ihr Kind im Umgang mit digitalen Geräten.

Geschlechtsidentität und Rollenbilder bei Kindern

Kinder halten sich jetzt bevorzugt in Jungs- oder Mädchengruppen auf und stärken dadurch ihre eigene Geschlechtsidentität (das innere Gefühl, wer sie sind). Durch das Erproben von Verhaltensweisen, die als «typisch männlich» oder «typisch weiblich» beobachtet werden, versuchen Kinder ihre Rolle zu stabilisieren («Aha, ich bin ein Junge – also sollte ich lieber diese Sportart machen» «Ich bin ein Mädchen – ist es trotzdem ok, wenn ich Röcke doof oder unbequem finde?». Dieses Zuordnen ist Teil der Entwicklung – Kinder nehmen den Druck einer Gruppe wahr und möchten dazugehören. Achten sie als Bezugspersonen auf Kinder, sie sich weniger stark zuordnen – diese können von anderen rasch auf verletzende Art und Weise ausgelacht oder zurückgewiesen werden. Versuchen Sie offen zu bleiben und den Kindern zu vermitteln, dass die Welt vielfältig ist und das Junge-sein, Mädchen-sein und Mensch-sein unterschiedlich aussehen darf. «Du bist gut, so wie du bist!» «Farben sind für alle da!» «Jede:r trägt die Haare, wie sie gerade gefallen!» «Körperformen sind unterschiedlich.» Dies sind wertvolle Botschaften, welche Kinder stärken können, wenn sie von ihnen als Bezugspersonen auch so vorgelebt werden.

Das können Sie im Alltag tun

  • Führen Sie Gespräche über «schmutzige, provokative, sexualisierte» Wörter und Kraftausdrücke führen.
  • Wohlwollend statt belehrend nachfragen, was das Kind unter dem Ausdruck versteht und erklären sie ihm, was damit gemeint ist.
  • Ordnen Sie mit dem Kind zusammen Begriffe in grün (ok), orange (an bestimmten Orten/ in passenden Situationen) oder rot (nicht erwünscht, weil verletzend) ein.
  • Über veraltete Rollen-Klischees sprechen und hin und wieder auf stereotype Aussagen hinweisen. (Es ist ok, wenn Jungs kuscheln. Mädchen kann man ebenso Lego-Autos schenken etc.)
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind einfühlsam und bestärkend darüber, wie Medien altersgerecht genutzt werden und was es tun kann, wenn es Inhalte sieht, die irritierende Gefühle auslösen oder Sexualität explizit darstellen (Pornografie). Sinnvoller als Verbote ist das Pflegen von regelmässigen Gesprächen.
  • Bücher zu Themen wie Freundschaft, Mädchen- oder Junge-sein, unterschiedliche Familienformen etc. auflegen.
  • Filme oder Werbeplakate als Anlass nehmen, um über vielfältige Rollenbilder zu sprechen. («Oh… schön, wie der Junge seinen Freund tröstet» «Hm, wie sich das Kind in der Gruppe wohl gerade fühlt? Was denkst du?»)

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.