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4. Lebensjahr

Freundschaften und soziale Kontakte sind zentrale Lernfelder im Kindesalter. Kinder erfahren Nähe, Zugehörigkeit und Abgrenzung, lernen Gefühle auszudrücken und Beziehungen aktiv zu gestalten – Erfahrungen, die auch zur kindlichen Sexualität gehören.

Kurz und bündig

  • Freundschaften und Rollenspiele gewinnen an Bedeutung.
  • Kinder probieren soziale Rollen aus und beobachten Regeln des Zusammenlebens.
  • Ein erstes Schamgefühl und ein Bedürfnis nach Privatsphäre entstehen.
  • Eltern unterstützen durch Gespräche, klare Regeln und das Stärken von Grenzen.

Freundschaften, Nähe und Identitätsentwicklung im Kindergartenalter

Das Bedürfnis des Kindes nach Freundschaften und sozialen Kontakten wächst und es wird immer vertrauter mit Regeln für das soziale Zusammenleben. Freundschaften zu pflegen bedeutet auch Nähe, Zuneigung und Vertrauen zu lernen. Kinder bewegen sich selbstständiger in einer Gruppe und es entstehen manchmal Zuteilungen in «wir» und «die Anderen» («Wir sind die Detektive, ihr könnt nicht so gut Spuren lesen, wie wir!»). Durch das Markieren von Grüppchen üben sich Kinder in der Selbstbehauptung, im Markieren von Grenzen, im Verbünden und lernen mit Begleitung zunehmend, ihre Gefühle mitzuteilen. Dieses aktive Gestalten von Beziehungen gehört auch zur Sexualität.

Freundschaften werden emotional intensiv erlebt und es kann zu Eifersucht, Trauer, Streit und unterschiedlichen Formen von körperlicher Nähe und kindlichem «Verliebtsein» (kuscheln, Hände halten, streicheln, Küsschen geben etc.) kommen. Im Kindergartenalter wird manchmal auch geäussert, dass sie in Elternteile, Kindergartenlehrpersonen oder Haustiere verliebt sind. Dies ist allerdings nicht mit sexuellem Begehren (wie in der Erwachsenensexualität) vergleichbar, sondern soll zum Ausdruck bringen, dass jemand besonders gerne gemocht wird.

Beziehungen, Körpererfahrungen und kindliche Sexualität im Alltag

In der Kita oder im Kindergarten lernen Kinder vielfältige Verhaltensweisen von anderen kennen.  . Ein Kind beobachtet beispielsweise, wie ein anderes die Mandarine beim z’Nüni selbst öffnen kann, wie eines im Garten ohne Hilfe auf den Baum klettert und ebenso beobachtet es vielleicht, wie ein anderes im Stehen pinkelt oder hört, dass «da unten» bei der Vulva und Vagina ein kribbelndes Gefühl entstehen kann auf der Schaukel. Gemeinsam Toilettengänge unter Gleichaltrigen sind ein typisches Merkmal für dieses Alter. Auch das Spiel mit gesellschaftlichen Rollenerwartungen gehört weiterhin zum kindlichen Alltag. Der Junge möchte vielleicht auch einmal das kleine Pinselchen mit dem Nagellack-Fläschchen benutzen oder Julia darf ins Bett liegen und wird von Emilio fürsorglich gesund gepflegt.

Trans*Kinder (wenn das innere Wissen einer Person nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt) können Unstimmigkeiten bereits in diesem Alter fühlen und zum Ausdruck bringen. Bei Unsicherheiten kann eine Fachperson kontaktiert werden (zB. Transgender Network Switzerland).

Das können Sie im Alltag tun

  • Den Kindern Raum für vielfältige Rollenspiele geben und diese ernst nehmen. (Es ist ok, wenn ein Junge spielt, dass er ein Baby im Bauch hat. Heiraten spielen bedeutet nicht, dass die Kinder real verliebt sind)
  • Unterstützung darin bieten, die vielfältige Gefühle des Kindes zu benennen und zu vermitteln, dass es ok ist, diese zu zeigen. Finden Sie gemeinsam Strategien für die Gefühlsregulation (Alle Gefühle dürfen sein, jedoch nicht alle Verhaltensweisen sind ok).
  • Helfen Sie dem Kind, Freundschaften zu pflegen und mit Konflikten umzugehen («Heute bist du traurig und hast genug vom Spiel mit Kira – das ist ok, wir verabschieden uns für heute. Morgen ist ein neuer Tag.»
  • Mit ihrem Kind über Liebe und Verbindung sprechen und wie diese gezeigt oder gefühlt werden kann. Unterstützen Sie das Gespräch beispielsweise mit einem Bilderbuch, Zeichnung oder füllen sie ein Konfi-Glas mit liebevollen Botschaften («Ich mag deine lustigen Frisur-Ideen.» «Wenn du lachst, muss ich auch lachen» «Deine Abschieds-Knuddels sind einzigartig»)

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.