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2. Lebensjahr

Im zweiten Lebensjahr entwickeln Kinder ein wachsendes Interesse an ihrem Körper, an Ausscheidung und an körperlichen Unterschieden. Diese Phase ist geprägt von Neugier, Autonomie und ersten Fragen zu Körperfunktionen. Eltern und Bezugspersonen begleiten Kinder dabei, Orientierung, Schutz und Selbstbestimmung in Balance zu halten.

Kurz und bündig

  • Kinder entdecken Körperfunktionen, Ausscheidungen und Sinneserfahrungen.
  • Trockenwerden, Festhalten und Loslassen stärken Autonomie.
  • Neugier auf Genitalien, Unterschiede und Sprache nimmt zu.
  • Eltern unterstützen die Entwicklung durch Geduld, klare Grenzen und offene Gespräche.

Anale Phase im zweiten Lebensjahr: Ausscheidung und sinnliches Spielen

Im zweiten Lebensjahr gewinnt alles rund um Ausscheidung (anale Phase) an Interesse. Materialien, die den Körperausscheidungen ähnlich sind, wie Wasser, Schlamm, Ton, Sand, werden lustvoll zum Kneten und Schmieren eingesetzt. Diese Spiele werden nicht selten bis zum Vorschulalter mit «Fäkalwörtern» angereichert («Ich mache hier jetzt eine Gaggi-Sauce») und erzeugen durch die unterschiedlichen Reaktionen der Erwachsenen eine zusätzliche Spannung.

Kinder lernen zunehmend den Schliessmuskel zu kontrollieren und bewusst mit den Fähigkeiten «Festhalten» und «Loslassen» umzugehen, was lustvoll sein kann und ihre Autonomie unterstützt. Sie beobachten beim Kind vielleicht Anzeichen, wie unruhiges hin und her wippen oder das wiederholte Berühren der Genitalien und fordern es zum Toilettengang auf. Das Kind wiederum entgegnet mit «Nein, ich muss aber nicht!» Es kann leicht zu Konflikten kommen rund ums Trocken-werden. Die warme Windel kann als angenehm empfunden werden und möchte vielleicht nicht direkt gewechselt werden. Ev. wird es hier Zeit, achtsam auf das Töpfchen oder Klo umzusteigen für mehr Selbstbestimmung. Um ihre Neugier zu stillen, folgen Kindern auch gerne anderen Mitmenschen bei ihren Toilettengängen. Dabei können die elterlichen Intimregionen zum Ziel intensiver Entdeckungsfreude werden. Es ist jedoch wichtig, den Kindern unaufgeregt Körpergrenzen aufzuzeigen: «Halt, das ist meine Vulva/Penis – Kinderhände fassen da nicht hin.» Dies ist wiederum eine Präventionsbotschaft im Hinblick auf sexualisierte Gewalt.

Sexuelle Entwicklung im Kleinkindalter: Geschlechtsunterschiede entdecken

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr entdecken Kinder zudem körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau und werden sich zunehmend der Vielfalt und ihrer eigenen Geschlechtszugehörigkeit bewusst. Sie beginnen daher auch ihren eigenen Körper und ihre Genitalien intensiver zu entdecken und finden es unter Anderem spannend, wie andere Menschen aussehen. Kinder leben im Hier und Jetzt und sind Schritt für Schritt dabei, die Regeln des Zusammenlebens kennenzulernen. Daher kann es vorkommen, dass sie gerade im Einkaufsladen stehen, während ihr Kind das Shirt hebt oder sich unbedacht in die Hose greift. «Im Laden bleibt der Bauch bedeckt» kann eine einfache Reaktion sein, die Orientierung gibt  und zugleich auf die Gefühle des Kindes Rücksicht nimmt.

Mit der Entwicklung der Sprachfähigkeit folgen schon bald direkte Fragen zum Aussehen und Verhaltensweisen von anderen Menschen und zu unterschiedlichen Körperfunktionen.

Das können Sie im Alltag tun

  • Unterstützen Sie das Kind dabei, sich aktiv an der Körperpflege zu beteiligen. Es darf mithelfen, sich nach dem Baden einzucremen, mit einem Kamm die Haare zu bürsten, die Zahnbürste zu halten etc. (Hilf mir, es selbst zu tun).
  • Sprechen Sie in der Partnerschaft oder im nahen Umfeld darüber, wie in ihrer Kindheit mit dem Thema Sinnlichkeit, Nacktheit, Sexualität umgegangen wurde und finden Sie gemeinsame Wege für die Alltagsgestaltung in Ihrer Familie.
  • Stellen Sie dem Kind vielfältige Materialen zur Verfügung für sensorische Spiele und erlauben _Sie ihm, sich «schmutzig» zu machen. (Kinetischer Sand, Waschbecken mit Duplo-Teilen, Fingerfarbe etc.)
  • Sprechen Sie über angenehme und unangenehme Berührungen und benennen sie Grenzen. (Halt, Hand weg - das ist meine Brust, ich will nicht, dass du sie drückst. Willst du kuscheln? Komm dann können wir uns bspw. im Arm halten und schaukeln. Oder suchst du etwas Kuscheliges? Komm, wir holen ein flauschiges Kissen, das kannst du auch knuddeln.)

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.