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3. Lebensjahr

Im dritten Lebensjahr erkunden Kinder ihren Körper bewusster, zeigen Schau- und Zeigelust und beginnen mit ersten Körpererkundungs- bzw. Doktorspielen. Diese Phase der kindlichen Entwicklung ist geprägt von Neugier, Identitätsfindung und dem Lernen von Grenzen.

Kurz und bündig

  • Kinder entwickeln ein stärkeres Bewusstsein für ihren Körper, Gefühle und ihre Geschlechtszugehörigkeit.
  • Körpererkundung und Fragen zu Unterschieden sind Teil der normalen Entwicklung.
  • Der Wunsch nach Selbstbestimmung wächst.
  • Eltern begleiten durch Benennen von Gefühlen, klare Regeln und wertschätzende Gespräche.

Körpererkundung und Rollenspiele im dritten Lebensjahr

Auch im dritten Lebensjahr bleibt der eigene Körper spannend und Ihr Kind kann in die Phase der «Schau- und Zeigelust» kommen. So kann es im Spiel kichernd den Po entgegenstrecken oder finden «Schau mal meine nackten Füsse, ich ziehe jetzt keine Schuhe an». Dabei spielt es für das Kind keine Rolle ob Sommer oder Winter ist. Auch kann es sein, dass sie ihre Genitalien bewusst und intensiver stimulieren.  In derselben Entwicklungsphase kann auch auffallen, dass Kinder ihren Körper insgesamt bewusster wahrnehmen und einzelne Körperstellen gezielt erkunden. Dazu kann gehören, dass sie ihre Genitalien zeitweise bewusst und intensiver stimulieren.

Kinder begreifen die Welt nicht mehr nur durch Anfassen, sondern auch durch Nachahmung. Erste «Doktorspiele» können beobachtet werden. In der Fachsprache werden diese auch als «Körpererkundungsspiele» bezeichnet, denn die Kinder entdecken einerseits, dass sie unter ihren Kleidern auch einen Körper mit interessanten Stellen haben. Das ist ein normales Lernspiel – Kinder erforschen, was anders oder gleich ist. Sie werden sich ihrer Identität immer bewusster, d.h. sie verstehen zunehmend, wer sie sind und was sie ausmacht: «Ah, du siehst anders aus als ich, also bin ich ein Mädchen». Zudem ahmen sie im spontanen Spiel Menschen und Situationen aus ihrer Umwelt nach und setzen sich mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Rollen auseinander. Kinder probieren spielerisch aus, wie es ist Mutter, Vater, Baby, Verkäufer oder Busfahrerin zu sein und erfahren so, viel über sich selbst. Lauscht man diesen spielen, werden viele «so tun, als ob» Gespräche hörbar: «Jetzt wäre ich aber einmal der Vater ok?» «Luc, jetzt hättest du aber das Baby im Bauch und dann würden wir zum Arzt fahren!»

Was ist ok bei Rollenspielen? Hier erfahren Sie mehr:

Kinder stellen in diesem Alter viele «Warum-Fragen» - dies gilt auch für Themen wie Körperformen, Zärtlichkeiten, Liebe, Schwangerschaft, Geburt, Tod etc. Kinder haben ein Recht auf alters- und entwicklungsgerechte Antworten und dürfen zudem auch wissen, dass sich Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht lieben können.

Durch die Entwicklung des Eigenwillens kann es im Alltag vermehrt zu trotzigem Verhalten kommen. Das Nein-Sagen-Dürfen ist eine wichtige Voraussetzung für den Schutz der eigenen Grenzen und eine wichtige Voraussetzung zur Vorbeugung von sexualisierter Gewalt. Loben Sie ihr Kind, wenn es seine Grenzen zeigt. Das Kind lernt dadurch, dass es sich auf eigene Gefühle verlassen kann und Grenzen, auch von Erwachsenen, respektiert werden.

Das können Sie im Alltag tun

  • Kinder fragen häppchenweise und wahrheitsgetreu beantworten (je jünger das Kind umso leichter und kürzer die Antwort)
  • Im Kinderzimmer einen Spiegel aufhängen, damit sich das Kind ungestört von Kopf bis Fuss betrachten kann.
  • Kleider und Materialien für vielfältige Rollenspiele zur Verfügung stellen, unabhängig vom Geschlecht ihres Kindes.
  • Kinder benötigen einen sicheren Experimentier- und Schutzraum. Sprechen Sie sich ab, welche Verhaltensweisen wo ok sind und stellen Sie mit dem Kind einfache Regeln auf. («Es ist ok, wenn du deine Genitalien genau betrachten willst – dein Zimmer ist der richtige Ort dafür, weil das Wohnzimmer ist für alle da.»)

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.