Gewaltfreie Erziehung

«Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.» Das Zitat von J. W. von Goethe verbildlicht den Anspruch von Kindern auf eine gewaltfreie Erziehung: Sie sollen in verlässlichen, von Vertrauen geprägten Beziehungen aufwachsen.

Obwohl sich viele Eltern und Bezugspersonen von Kindern des Rechtes der Kinder auf gewaltfreie Erziehung bewusst sind, ist Gewalt an Kindern in der Schweiz noch immer ein verbreitetes gesellschaftliches Problem. In der schweizerischen Gesetzgebung ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung nur ungenügend umgesetzt. Dies führt immer wieder dazu, dass die Schweiz von internationalen Gremien wie dem UNO-Kinderrechtsausschuss gerügt wird.

Studien aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, dass klare rechtliche Normen in Kombination mit breit angelegten Sensibilisierungsmassnahmen einen merklichen und nachhaltigen Rückgang von Gewalt in der Erziehung bewirken. Kinderschutz Schweiz setzt sich deshalb für eine gesetzliche Lösung ein, die Gewalt in der Erziehung eine klare Absage erteilt. Am jährlichen No Hitting Day macht Kinderschutz Schweiz die breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam.

Was Kinder von Bezugspersonen brauchen

Für eine gesunde und dem kindlichen Potenzial entsprechende Entwicklung brauchen Kinder beständige, liebevolle Beziehungen. Sie sind angewiesen auf erwachsene Bezugspersonen, welche  ihre Würde wahren und sie in ihrer Persönlichkeit respektieren. Kinder brauchen Freiraum, um etwas auszuprobieren und sich entfalten zu können – und gleichzeitig benötigen sie Grenzen, die ihnen Halt, Sicherheit und Orientierung geben.

Eltern können viel dafür tun, den kindlichen Bedürfnissen zu entsprechen und gleichzeitig den Familienalltag angenehmer zu gestalten: Sie können unter anderem glaubhafte Vorbilder sein, denn Kinder nehmen sich am Verhalten der Eltern ein Beispiel. Sie können Klarheit schaffen, indem sie Regeln und Grenzen konkret formulieren und auf deren Einhaltung konsequent bestehen. Sie können positive Aspekte des kindlichen Verhaltens in den Vordergrund rücken und die Kinder dadurch in ihren (positiven) Absichten und ihrem Handeln bestätigen und bestärken.

Alternativen kennenlernen

Mütter und Väter sind sich der kindlichen Bedürfnisse im Allgemeinen sehr bewusst. In konkreten Situationen im mitunter hektischen Familienalltag fehlt ihnen aber manchmal die nötige Zeit und Gelassenheit, um in passender Weise zu reagieren.

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den eigenen Erziehungsvorstellungen und den damit verbundenen Erwartungen an die Kinder kann helfen, im Erziehungsalltag gelassener zu bleiben und auch in schwierigen Situationen angemessen zu handeln. Das Kennenlernen von Handlungsalternativen, die einen positiven, gewaltfreien und partizipativen Erziehungsstil unterstützen, ist für viele Eltern hilfreich. Beides wird im Rahmen der Kurse Starke Eltern – Starke Kinder® vermittelt.