Auswirkungen von Gewalt in der Erziehung

Jedes Erfahren von Gewalt verursacht Leid und ist eine Verletzung der Würde und der körperlichen und psychischen Integrität von Kindern und Jugendlichen. Davon nicht betroffen zu sein, ist ein grundlegendes Kinderrecht. Es wird durch die Bundesverfassung und die UNO-Kinderrechtskonvention geschützt.

Auswirkungen von Gewalt in der Erziehung

Gewalt in der Erziehung kann unterschiedliche Folgen haben. Die Auswirkungen sind nicht bei jedem Kind die gleichen (Studie zum Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz 2020) und abhängig von verschiedenen Einflussfaktoren wie:

  • Art und Ausmass der Gewalt
  • Allgemeine Belastungsfähigkeit (Resilienz) des Kindes
  • Soziale Unterstützung des Kindes durch andere Personen
  • Allfällige bisherige Belastungen
  • Alter und Geschlecht des Kindes

Die Folgen von Gewalt in der Erziehung können sein:

  • Körperliche Schädigungen wie Narben, Wunden oder innere Verletzungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen, zum Beispiel in der sprachlichen Entwicklung oder in den schulischen Leistungen (Letzteres ist vor allem auf eine reduzierte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit zurückzuführen)
  • Emotionale Beeinträchtigungen, zum Beispiel ein reduziertes psychisches Wohlbefinden, depressive Symptome, Ängste, eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung oder ein geringeres Selbstwertgefühl
  • Gewalterfahrungen in der Kindheit können langfristig zu negativem, unerwünschtem Verhalten führen. Dazu zählenaggressives, kriminelles und antisoziales Verhalten im Kindesalter und als Jugendlicher, aber auch als erwachsene Person. Zudem besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter selbst zur Tatperson(z. B. in Bezug auf häusliche oder sexuelle Gewalt) oder sonst straffällig zu werden.
  • Ein erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter psychische Störungen wie Depressionen, Ängste bis hin zu Suizidgedanken, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Essstörungen und andere schwere Persönlichkeitsstörungen zu entwickeln (MacMillan/Boyle/Wong/Duku/Fleming/Walsh 1999: 805–809).
  • Akute Belastungsstörungen (Schockzustand) als Folge traumatischer Ereignisse wie zum Beispiel sexueller Gewalt, die sich längerfristig zu einer posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln können (Fegert/Hoffmann/König/Niehues/Liebhardt 2015: 147–150).

Dabei sind die Folgen von Gewalt in der Erziehung für jüngere Kinder gravierender als für ältere Kinder. Ein Grund kann die noch weniger fortgeschrittene Entwicklung von kleinen Kindern sein. Die fehlende Reife führt dazu, dass sie sich weniger vor Gewalt schützen und sich weniger dagegen wehren können. Weiter sind in diesem Alter oft die Eltern die einzigen Bezugspersonen. Kommt die Gewalt von ihnen, hat das Kind keine Ansprechperson, die ihm helfen kann.

Gleichzeitig gilt es zu betonen, dass die Folgen von Gewalt in der Erziehung auch in der Adoleszenz noch schwerwiegende Folgen haben können. Häufig kommen Aggressivität, Depressionen, Suizidgedanken, Ängste sowie Denkstörungen vor.

Psychische Gewalt ist ebenso schädlich wie körperliche Gewalt.

Forschungen zu den Folgen von Gewalt beziehen sich überwiegend auf das Thema physische Gewalt, da psychische Gewalt schwerer operationalisierbar ist. Die Auswirkungen psychischer Gewalt werden regelmässig unterschätzt oder verharmlost. Oft hat das Erleben von psychischer Gewalt (wie Demütigung, Beschimpfung, Ignorieren, Erniedrigung, Liebesentzug, Drohung, Verängstigung usw.) gar schwerwiegendere Auswirkungen auf die emotionale Verfassung von Kindern als das Erleben von körperlicher Gewalt (vgl. Studie zum Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz 2017).

Mehrfach von Gewalt betroffen

Oft treten unterschiedliche Gewaltformen wie körperliche Gewalt, Vernachlässigung, psychische Misshandlung und sexuelle Gewalt nicht alleine auf, sondern gleichzeitig oder zeitlich gestaffelt (Fegert/Hoffmann/König/Niehues/Liebhardt 2015: 44–45). So sind beispielsweise Fälle von Vernachlässigung oder sexueller Misshandlung regelmässig auch mit psychischer Gewalt gekoppelt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, die verschiedenen Risiken ausgesetzt und durch Probleme bereits belastet sind, ist die Gefahr hoch, dass sie erneut Opfer von Gewalt werden. Daher ist es wichtig, belasteten Kindern und Jugendlichen so früh wie nur möglich Hilfe zu leisten.

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Weitere Informationen und Kontakt

Danica Zurbriggen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bereich Programme
Telefon +41 31 384 29 11
danica.zurbriggen@kinderschutz.ch

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