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Wenn Kinder online sind, können wir nicht immer dabei sein. Aber für sie da sein.

Ob auf Gaming-Plattformen, in sozialen Netzwerken, auf WhatsApp oder bei der Recherche für die Schule: Der digitale Raum gehört für die junge Generation längst zum Alltag. Anders als viele Erwachsene, die noch ohne Internet und Smartphone aufgewachsen sind, empfinden Kinder und Jugendliche das Netz nicht als Neuland, sondern als selbstverständlichen Teil ihres Lebens.

Neue Entwicklungen, neue Gefahren

Für Eltern und Sorgeberechtigte bleibt es eine Herausforderung, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Neue Apps, Games und Challenges bringen Freude, aber auch neue Risiken mit sich, mit denen sich Familien immer wieder neu auseinandersetzen müssen. Künstliche Intelligenz hat diese Dynamik zusätzlich verschärft: Gefahren, die früher weit entfernt schienen, lassen sich heute mit wenigen Prompts erzeugen und rücken damit nah an den Alltag von Kindern und Jugendlichen heran. Dazu zählt auch sexualisierte Gewalt, die zunehmend im digitalen Raum stattfindet, etwa wie Cybergrooming, Sextortion (Erpressung oder Nötigung mit Nacktbildern), unangemessene und pornografische Inhalte oder mittels KI erstellte Missbrauchsdarstellungen.

Zahlen und Fakten

  • Über 10'000

    URL-Meldungen sind seit 2022 bei der Melde- und Beratungsstelle clickandstop.ch eingegangen.

  • 28 %

    der befragten Kinder und Jugendlichen geben an, dass ihre Eltern nie mit ihnen über das sprechen, was sie im Internet machen (EU Kids Online Schweiz, 2025).

  • 39 %

    der befragten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz fühlen sich online sicher (EU Kids Online Schweiz, 2025).

  • 90

    Sekunden dauert es durchschnittlich, bis ein Kind online von einer erwachsenen Person mit eindeutigen sexuellen Avancen angeschrieben wird.

Grenzen schützen. Regeln geben Orientierung

Kinder und Jugendliche sollen digitale Räume selbstbestimmt nutzen können. Sie müssen aber Risiken nicht allein bewältigen. Grenzen schützen dort, wo Sicherheit und Wohl des Kindes betroffen sind. Persönliche Daten und intime Bilder gehören geschützt, unbekannte Kontakte brauchen besondere Vorsicht und niemand muss sexualisierte Nachrichten, Druck oder Grenzverletzungen hinnehmen.

Regeln geben Orientierung im Alltag. Wann bleibt das Handy weg? Welche Apps dürfen genutzt werden? Was gilt bei unbekannten Kontakten? Solche Abmachungen sollten zum Alter des Kindes passen, verständlich sein und mit zunehmender Selbstständigkeit des Kindes angepasst werden.

Und das Wichtigste: Kinder und Jugendliche müssen wissen, dass sie jederzeit zu ihren Eltern oder einer anderen Vertrauensperson kommen können – auch wenn sie einen Fehler gemacht, eine Regel gebrochen oder bereits ein Bild verschickt haben. Denn Schutz entsteht nicht durch lückenlose Kontrolle. Schutz entsteht, wenn Kinder und Jugendliche Grenzen erkennen, Handlungsmöglichkeiten kennen und wissen: Wenn etwas passiert, bin ich nicht allein.

Wenn sich etwas verändert: hinschauen und nachfragen

Kinder und Jugendliche erzählen nicht immer von selbst, wenn sie online etwas Belastendes erleben. Veränderungen können deshalb ein Anlass sein, genauer hinzuschauen: Zieht sich mein Kind plötzlich zurück? Wirkt es nach Nachrichten ängstlich oder angespannt? Verändert sich Schlaf, Stimmung oder Verhalten? Solche Veränderungen können viele Gründe haben. Entscheidend ist deshalb nicht, sofort eine Erklärung zu finden, sondern das Gespräch zu öffnen: «Mir fällt auf, dass du in letzter Zeit nach dem Gebrauch des Handys oft bedrückt wirkst. Möchtest du mir erzählen, was los ist?»

Da sein heisst ansprechbar sein

Vertrauen entsteht im Alltag und nicht erst dann, wenn etwas passiert. Interessieren Sie sich dafür, was Ihr Kind online erlebt: für das neue Game genauso wie für schwierige Erfahrungen. Genauso zentral ist die Art, wie man miteinander spricht: Wer offene Fragen stellt, statt Vorwürfe zu formulieren, schafft Raum für Ehrlichkeit. «Was hast du da wieder gemacht?» schliesst das Gespräch, bevor es beginnt. Offener wirkt: «Was erlebst du online, das dich beschäftigt?». Und wo «Das hättest du nicht tun dürfen» eine Tür schliesst, öffnet «Was würdest du tun, wenn dir online etwas komisch vorkommt?» eine neue.

Und wenn etwas passiert ist: ruhig bleiben, zuhören und gemeinsam handeln. Kinder sollen wissen: Auch wenn ich einen Fehler gemacht habe, kann ich Hilfe holen. Denn wenn Kinder online sind, können wir nicht immer dabei sein. Aber wir können für sie da sein.

Schutzstrategien – bevor es passiert

    • Haben Sie ein ungutes Gefühl oder Fragen zum Thema sexualisierte Gewalt im Internet? clickandstop.ch bietet anonyme und unkomplizierte Hilfe.
    • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die unterschiedlichen Täterstrategien bei Cybergrooming oder Sextortion und worauf es besonders achten sollte.
    • Vermeiden Sie, persönliche Daten und Bilder Ihres Kindes online zu teilen – insbesondere auf Social Media.
    • Teilen Sie nur online, was Sie auch im echten Leben mit Fremden teilen würden.
    • Hat Ihr Kind ein eigenes Handy, geben klare Abmachungen zur Nutzung Orientierung und helfen, unnötige Diskussionen zu vermeiden.
    • Achten Sie darauf, dass Ihre Profile und die Ihres Kindes privat sind. So grenzen Sie ein, wer die Beiträge sehen kann.
    • Seien Sie ein Vorbild im Umgang mit Medien. Kinder orientieren sich auch online an Ihnen.
    • Interessieren Sie sich regelmässig für die Online-Aktivitäten Ihres Kindes. Sprechen Sie offen über Risiken im Netz und erklären Sie, dass nicht alle Menschen im Internet ehrlich sind – auch scheinbar gleichaltrige Profile können gefälscht sein. Besonders bei Kontaktanfragen von Fremden ist Vorsicht geboten.
    • Informieren Sie sich über eine altersgerechte Sexualerziehung und sprechen Sie mit Ihrem Kind über sexualisierte Gewalt – online wie offline. Offene Gespräche fördern Vertrauen und eine gesunde sexuelle Entwicklung.
    • Üben Sie gemeinsam Abwehrstrategien: Sätze wie «Das will ich nicht!» oder «Ich zeige dich an!» können in kritischen Situationen helfen.
    • Orientieren Sie sich für das Posten von Kinderbildern an der folgenden Checkliste.

Schutzstrategien – nachdem es passiert

    • Ist Ihr Kind von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen? Melden Sie sich bei clickandstop.ch und der Polizei.
    • Wird Ihr Kind erpresst, genötigt oder ausgebeutet, sexualisierte Inhalte zu erstellen, liegt ein Straftatbestand vor. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen müssen.
    • Sexualisierte Gewalt ist niemals die Schuld des betroffenen Kindes – weder online noch offline. Sagen und zeigen Sie Ihrem Kind: «Du bist nicht schuld und du bist nicht allein.» Gefühle von Scham sind normal. Manchmal braucht es Zeit, bis Kinder darüber sprechen. Bleiben Sie im Dialog, um zu verstehen, wie der Kontakt entstanden ist und wie es sich künftig besser schützen kann.
    • Ermutigen Sie Ihr Kind und sichern Sie ihm Ihre Unterstützung zu. Manchmal lehnen Kinder Hilfe ab, aus Angst, dass die Polizei oder andere Personen eingeschaltet werden. Erklären Sie, dass es sich um Fachpersonen handelt, die helfen und das Kind schützen wollen.
    • Gehen Sie nach einem Vorfall möglichst rasch zur Polizei und erstatten Sie Anzeige. Hier erfahren Sie, wie Sie vorgehen müssen und welche Beweise Sie mitnehmen sollten.
    • In einigen Fällen gehen sexualisierte Gewalt oder Erpressungsversuche auch von Schulkolleg:innen aus. Informieren Sie allenfalls Lehrpersonen oder Schulsozialarbeitende über die Situation und prüfen Sie rechtliche Schritte. 
    • Nutzen Sie den anonymen und kostenfreien Service von Take It Down, um eine Weiterverbreitung der Nacktbilder Ihres Kindes auf unterschiedlichen Plattformen zu verhindern.

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.