Früherkennung von Kindsmisshandlung

Vernachlässigung ebenso wie psychische, physische oder sexuelle Gewalt können die kindliche Entwicklung massiv beeinträchtigen und schwerwiegende Folgen haben. Sensibilisierten Fachpersonen können Kinder, deren Wohl gefährdet ist, jedoch schon früh auffallen. Dadurch wird es möglich, zu einem frühen Zeitpunkt Schutz- und Unterstützungsmassnahmen einzuleiten.

Damit Kinder sich gesund und ihrem Potenzial entsprechend entwickeln können, müssen die grundlegenden kindlichen Bedürfnisse auf angemessene Weise befriedigt werden.

Kindliche Grundbedürfnisse

Zu den wesentlichen Grundbedürfnissen eines Kindes zählen beständige liebevolle Beziehungen, körperliche Unversehrtheit, Sicherheit und Geborgenheit sowie Möglichkeiten der Regulation. Wichtig ist zudem, dass sie Erfahrungen machen können, die ihrer individuellen Persönlichkeit und ihrem jeweiligen Entwicklungsstand angemessen sind. Zugleich brauchen Kinder ihrem Entwicklungsstand entsprechende Grenzen, Strukturen und stabile, unterstützende Gemeinschaften. Bei der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse sind die Kinder – je nach Alter in unterschiedlichem Mass – von erwachsenen Bezugspersonen abhängig.

Kindsmisshandlung

Eine Kindsmisshandlung liegt grundsätzlich dann vor, wenn die erwachsenen Bezugspersonen auf die kindlichen Bedürfnisse regelmässig nicht, ungenügend oder nicht adäquat reagieren. Auslöser ist dabei in vielen Fällen eine Überforderung der Bezugspersonen des Kindes; auch Unwissen über die kindlichen Bedürfnisse und die kindliche Entwicklung spielen eine Rolle. Dabei wird in der Regel zwischen Vernachlässigung, psychischer, physischer und sexueller Misshandlung unterschieden. Oft liegen jedoch Mischformen vor.

Es kann akut das Wohl des Kindes oder aber seine weitere Entwicklung gefährdet sein. In beiden Fällen kann frühzeitiges Erkennen und Einleiten von Schutz- und Unterstützungsmassnahmen eine längerfristige Beeinträchtigung verhindern oder zumindest mildern.

Früherkennung einer Kindsmisshandlung

Der Früherkennung von Kindsmisshandlung kommt deshalb eine entscheidende Bedeutung zu. Damit Fachpersonen, die in Kontakt mit Kindern und/oder deren Eltern stehen, Risikofaktoren einschätzen und Schutzfaktoren unterstützen können, müssen sie einerseits für die Problematik sensibilisiert sein. Um Anzeichen für eine potenzielle Kindsmisshandlung wahrnehmen zu können, müssen sie andererseits über Informationen zur Abschätzung der Schwere einer Gefährdung sowie zu möglichen Vorgehensweisen verfügen.

Leitfäden zur Früherkennung für Fachpersonen

Kinderschutz Schweiz hat deshalb drei Leitfäden zur Früherkennung von Kindsmisshandlung publiziert. Die Broschüren richten sich an Fachpersonen verschiedener Berufsgruppen. Sie thematisieren die Bedeutung des Kindeswohls und der Gefährdung des Kindeswohls durch Kindsmisshandlung. Insbesondere zeigen sie für die verschiedenen Berufsgruppen auf, wie Risikofaktoren eingeschätzt und eine Kindsmisshandlung erkannt werden kann. Zudem stellen die Leitfäden praktische Handlungsanweisungen zur Verfügung. Dabei werden sowohl Massnahmen innerhalb der eigenen professionellen Tätigkeit erörtert als auch der Einbezug weiterer Stellen bis hin zur Gefährdungsmeldung an die KESB.