Prozess und Mittel

Es gibt viele Methoden, wie Kinderhändlerinnen und -händler an ihre Opfer gelangen.

Ihnen eine attraktive Perspektive in Aussicht zu stellen, etwa eine Stelle oder eine Ausbildung, eignet sich besonders, um Minderjährige in prekären Situationen zum Beispiel dazu zu bewegen, ihr Herkunftsland zu verlassen. So kann anstatt eines Modeljobs oder einer Ausbildung an der Hotelfachschule Kinderhandel zwecks sexueller Ausbeutung oder Zwangsarbeit auf die getäuschten Kinder warten. Eine Anwerbungsmethode von Kinderhändlerinnen und -händlern ist das Vortäuschen einer Liebesbeziehung. Meist sehr junge Frauen und Männer werden gezielt und zeitaufwendig in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht. Nach erfolgreichem Grooming[1] soll sich das betroffene Kind dann aus «Liebe» zur Menschenhändlerin oder zum Menschenhändler prostituieren. Dieses Phänomen ist bekannt unter dem Begriff Loverboy. (Beispiel Loverboy)

Auf Opfer von Kinderhandel wird oft in unterschiedlicher Art Kontrolle oder Zwang ausgeübt. Dazu zählen physische Gewalt, psychische Gewalt, Androhung von Gewalt, sexuelle Ausbeutung, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Manipulation (evtl. durch kulturelle Praktiken), Einsperren des Kindes sowie die Androhung von Gewalt gegen Familienangehörige. Opfer von Kinderhandel, die von der Polizei aufgegriffen bzw. als Opfer identifiziert werden, wollen häufig nicht mit den Behörden kooperieren. Sie fürchten ihre Ausbeuterinnen und Ausbeuter oder haben Angst vor Gewalt gegen ihre Familienangehörigen.

[1] Als Grooming wird die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen bezeichnet, um stufenweise ihr Vertrauen zu erschleichen und sie dann zu misshandeln.

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