Fallbeispiel «Sexuelle Ausbeutung Online»

Folgendes Fallbeispiel ist ein Medienbericht und verdeutlicht wie Täter vorgehen und wie ermittelt wird.

Sexuelle Misshandlung von Kindern via Webcam
Artikel aus dem «Tages-Anzeiger» vom 29. Mai 2018

«Die sexuellen Handlungen an philippinischen Mädchen hat er von seinem Computer in Zürich aus angeordnet. Nun urteilte das Gericht.

Das Phänomen ist noch kaum in der Öffentlichkeit bekannt: sexueller Missbrauch per Livecam mit minderjährigen Mädchen. Am Montag musste sich das Bezirksgericht Zürich damit befassen. Auf der Anklagebank: ein Schweizer Elektriker um die dreissig. Er liess sich via ein Webcam-Streaming-Portal sexuelle Handlungen mit Kindern auf den Philippinen vorführen und gab explizite schriftliche Anweisungen dazu. Zwischen 2012 und 2015 beobachtete der Mann so insgesamt 76 Kinder im Alter zwischen 4 und 15 Jahren live per Skype.
In 42 Fällen mussten sich die minderjährigen Mädchen in aufreizenden sexuellen Posen präsentieren, oder Dritte nahmen sexuelle Handlungen an ihnen vor. Sie führten ihnen Dildos ein, betasteten sie oder zwangen sie dazu, erwachsene Männer oral zu befriedigen. Für die 42 Livecam-Sessions, welche zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten dauerten, bezahlte der Schweizer insgesamt über 5300 Franken per Kreditkarte.
In weiteren 34 Fällen kam es nach dem Vorführen der Kinder zu keinen eigentlichen sexuellen Handlungen, obwohl dies der Beschuldigte gefordert hatte. Die Anbieter der Livecam-Sessions hatten aber jeweils den Dienst unterbrochen. In diesen Fällen hatte der Beschuldigte verlangt, dass an den sieben- bis fünfzehnjährigen Mädchen Geschlechtsverkehr vorgeführt werden solle. Dafür hatte der Beschuldigte knapp zweitausend Franken hingeblättert.

Mann sass halbes Jahr in U-Haft

Seine Taten verübte der Mann während zweieinhalb Jahren zwischen September 2012 und Januar 2015 in Zürich. Der Fall flog dank der englischen Polizei auf. Die Engländer hatten den Sexhändlerring auffliegen lassen und den Schweizer Behörden den Namen des Beschuldigten mitgeteilt. Auch in anderen europäischen Ländern wurden Täter ausfindig gemacht. Die Polizei verhaftete den Elektriker, er sass ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. In dieser Zeit klärte die Staatsanwaltschaft ab, ob der Mann auch in der Schweiz mit minderjährigen Mädchen sexuellen Kontakt hatte, was aber nicht der Fall war.» [1]

[1] Vgl. https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/missbrauch-von-kindern-auf-den-philippinen-konsumiert/story/12480893.

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