Umgang mit Wut

Wut ist ein starkes Gefühl, in dem viel Kraft liegt. Wut kommt bei Eltern genauso wie bei den Kindern vor. Das kann sich positiv oder negativ auswirken. Der Auslöser für einen Wutausbruch kann Überforderung wie auch Stress sein.

Die Auslöser von elterlicher Wut sind meist Überforderung und Stress – oder wenn etwas nicht so gelingt, wie es geplant war. Wut verleitet zu unüberlegten Handlungen wie Schlagen oder Schreien. Wutausbrüche verletzen allerdings das Kind in seiner Würde und in seiner körperlichen und psychischen Integrität.

Warum Eltern manchmal wütend werden

Ein Wutausbruch kommt selten aus dem Nichts. Die Wut steigt oft schrittweise «auf 180», bis es dann «chlöpft». Auslöser für Wut können sein:

  • Überforderung/Hilflosigkeit («Lücke zwischen Wollen und Können» oder zwischen «Sollen und Können»)
  • unerfüllte Bedürfnisse, z.B. Essen, Schlaf, Ruhe aber auch verstanden werden, in Kontakt sein, etwas beitragen wollen
  • wenn etwas verlangt wird, das mir unsinnig erschient oder zu dem ich keine Lust habe, weil ein anderes Bedürfnis im Vordergrund steht
  • Stress, zum Beispiel bei der Arbeit
  • Konflikte, zum Beispiel in der Nachbarschaft

So wie die schrittweise Steigerung von Wut möglich ist, ist auch das «Runterkommen» Schritt für Schritt möglich. Die unten abgebildete Emotionskurve zeigt, wie die Wut vom grünen über zum orangen bis hin in den roten Bereich steigt. Die Punkte stellen Ausstiegsmöglichkeiten dar (z. B. Handlungsalternativen, die weiter unten beschrieben werden). Dies kann bei 60 sein, bei 90 oder 179. Hier ist man noch handlungsfähig. Steigt die Wut in den roten Bereich oder auf 180, kann man das Handeln nicht mehr beeinflussen. Es bleiben die Reaktionsweisen «Kampf» (Schreien, Schlagen), «Flucht» (Weglaufen, aus dem Haus rennen) oder «Blockade» (z. B. nicht mehr reden können, blockiert sein). Es liegt in der Verantwortung der Eltern, rechtzeitig die eigene Notbremse zu ziehen, bevor es zu einem Wutausbruch kommt.

Vielleicht hilft auch die sogenannte 90 Sekunden-Regel, um mit dem starken Gefühl der Wut umzugehen. Sie stammt von der Neurologin Jill B. Taylor und besagt, dass die meisten starken Empfindungen unseres Gehirns nach gut 90 Sekunden so weit abklingen, dass wir wieder «normal» denken und handeln können. Wir müssen uns einfach aktiv dafür entscheiden. Zum Beispiel in dem wir eine der Handlungsalternativen anwenden.

Handlungsalternativen


Im Rahmen der Kampagne «Starke Ideen» hat Kinderschutz Schweiz Handlungsalternativen für Eltern aufgelistet. Es sind Ideen, wie die Eltern das Hochsteigen von Wut stoppen können, bevor sie die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren. Dabei gilt immer: Alle Gefühle sind erlaubt und akzeptiert – aber nicht alle Handlungen.


Es lohnt sich, in einer ruhigen Minute die eigenen wunden Punkte zu identifizieren, also Bemerkungen und Verhaltensweisen, die mich als Elternteil wütend machen. Wenn sich Wut einmal gelegt hat, ist es sinnvoll, die erlebte Situation aufzuarbeiten. Zu diesem Prozess können auch Gedanken über die eigenen Bedürfnisse zählen.


«Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist.»


Eine gute Möglichkeit, aus der Wut auszusteigen, ist das Verabschieden aus der auslösenden Situation. Man legt einen Stopp ein und kommt später darauf zurück, wenn sich das Gemüt oder die Gemüter wieder beruhigt haben. Dies entspricht ganz dem Sinn von Haim Omers Grundsatz: «Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist.» Die Eltern können in einem entsprechenden Moment sagen: «Ich bin gerade zu sehr aufgebracht. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückkommen, wenn ich mich beruhigt habe.» Dadurch, dass die Eltern schliesslich «abgekühlt» und in einer ruhigen Art nochmals auf die problemverursachende Situation zu sprechen kommen, zeigen sie ihrem Kind gegenüber innere Stärke.


Wenn es trotzdem mal kracht


Kinder sind verunsichert und verletzt, wenn seitens der Eltern Aggressionen im Spiel sind. Sie reagieren je nach Alter und Persönlichkeit mit Angst, Aggressivität oder Ablehnung. Oft sehen sie die Schuld bei sich – unabhängig davon, ob dies stimmt. Aber selbst wenn auch aus Elternsicht die Kinder Auslöser von Wut waren, so haben doch die Eltern die Verantwortung, die Situation aufzulösen. Es ist deshalb an ihnen, den nächsten Schritt zu tun, indem sie sich entschuldigen und den Vorfall anschliessend mit dem Kind in Ruhe besprechen.

Wenn sich solche Situationen häufen, sollten Eltern mit einer aussenstehenden Person darüber reden und sich Hilfe holen.


Auch Kinder dürfen wütend sein


Auch Kinder sind ab und an mal wütend. Wichtig ist, sich in solchen Situationen bewusst zu werden, dass das Kind die Eltern mit seiner Wut nicht ärgern will. Wut bei Kindern ist häufig ein Zeichen von Hilflosigkeit. Aufgrund ihrer sich noch im Aufbau befindenden Strukturen im Gehirn, können Kinder ihre Wut noch nicht bewusst steuern. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern in diesen Momenten besonnen reagieren und mit ihnen den Weg aus der Wut gemeinsam gehen (mehr dazu Text zu den Entwicklungsaufgaben von Kindern). Ruhe und Gelassenheit vermitteln Kindern Sicherheit. Sie zeigen, dass alle Gefühle okay sind und dass jemand für sie da ist.

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Weitere Informationen und Kontakt

Danica Zurbriggen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bereich Programme
Telefon +41 31 384 29 11
danica.zurbriggen@kinderschutz.ch

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