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Mittendrin! Kinder im Schatten häuslicher Gewalt.

Häusliche Gewalt hat im Jahr 2020 um 2,3 % zugenommen. In über der Hälfte aller polizeilich registrierten Fälle von häuslicher Gewalt sind Kinder anwesend.
Montag, 22. März 2021
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Kinder sind immer Opfer häuslicher Gewalt, auch dann, wenn sich die Gewalt nicht direkt gegen das Kind richtet. Sie müssen wahrgenommen, aufgefangen und betreut werden. Dafür braucht es Sensibilisierungsarbeit bei allen Personen, die mit den Kindern in Kontakt kommen, eine aktive Ansprache und eine nationale Statistik, welche anwesende Kinder miterfasst.

Nach dem Ende des ersten Lockdowns haben mehrere Opferhilfestellen, Beratungsdienste und Kantonspolizeien eine Zunahme der Fälle von häuslicher Gewalt festgestellt. Die Zunahme im Vergleich zum Vorjahr beträgt nach der polizeilichen Kriminalstatistik 2020 2,3 %, das sind 454 Fälle mehr als im Vorjahr. Auch die sexuellen Handlungen mit Kindern steigen von 2019 bis 2020 um 8 %, im häuslichen Kontext um 2 % (Polizeiliche Kriminalstatistik 2020). Kinderschutz Schweiz beobachtet die Situation weiterhin aufmerksam. Mehr Klarheit könnten die Nationale Kinderschutzstatistik von der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, erwartet im April, und die Opferhilfestatistik vom BFS, erwartet im Mai, bringen.

«Es soll endlich aufhören!» - Sensibilisierung und Prävention sind nötiger denn je

Kinder erleben häusliche Gewalt mit. In mehr als der Hälfte der polizeilich registrierten Fälle von häuslicher Gewalt sind Kinder als Opfer oder Zeugen anwesend. Diese Kinder brauchen Hilfe, Schutz und Unterstützung. Dazu braucht es die nötigen Sensibilisierungsmassnahmen für die breite Öffentlichkeit und Fachpersonen, die mit diesen Kindern in Kontakt kommen. Kinderschutz Schweiz unterstützt sie mit Präventions- und Sensibilisierungsangeboten zur Früherkennung von Gewalt an Kindern und traumapädagogischen Begleitmaterialien. Diese können auf hier bezogen werden.

«Hör auf mich!» - Kinder müssen aktiv auf das Erlebte angesprochen und begleitet werden.

Kinder, die durch das Miterleben von innerfamiliärer Gewalt zu Opfern geworden sind, müssen in allen Kantonen niederschwellig und zeitnah professionelle Hilfe erhalten. Die Zugangshürden zu Hilfsangeboten für betroffene Kinder sind oft hoch – zu hoch! Ein Schritt in die richtige Richtung ist die, vom Ständerat am 8. März 2021 angenommene, Einführung einer nationalen 24h-Hotline zur professionellen Beratung von Gewaltopfern – einschliesslich Kindern, die Opfer oder Zeugen von häuslicher Gewalt wurden. Eine Hotline reicht allerdings nicht: Man mutet dem Kind zu viel zu, wenn es sich selber Hilfe holen muss. Notwendig bleibt das aktive Ansprechen von Kindern durch Fachpersonen der Polizei und Kindesschutzbehörden, aber auch von Sozialdiensten oder Personen im medizinischen oder schulischen Umfeld. Wird das Kind mit dem Erlebten alleingelassen, wirkt sich das schwer auf die kindliche Entwicklung und Gesundheit aus.

Kinderschutz Schweiz fordert eine nationale Statistik, in welcher Kinder miterfasst werden.

Kinder sind immer Opfer häuslicher Gewalt, auch dann, wenn sich die Gewalt nicht direkt gegen das Kind richtet. Wir fordern eine Statistik, in der alle von häuslicher Gewalt betroffenen Kinder aufgenommen werden. Dies wird nicht in allen Kantonen gemacht. Als Folge davon wird das Problem nicht im ganzen Ausmass erkannt. Eine solche Statistik würde zur Sensibilisierung von Fachpersonen und Politik beitragen.

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