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Aus dem Erziehungsalltag: Emotionale Probleme kannst du für andere nicht lösen – nur dabei helfen!

Wir sitzen seit einiger Zeit im Wohnmobil: Langersehnte Ferien, langersehnte Erholung. Mein Mann steuert auf einen Parkplatz zu und gibt uns Bescheid, dass wir hier einen der schönsten Wasserfälle am Fjord in Norwegen zu sehen bekommen. «Los, kommt raus!» Doch der Aufruf kommt viel zu plötzlich und unerwartet für unsere gefühlsstarke 8-jährige Tochter.

Sie weigert sich, ihren Platz zu verlassen, geschweige denn, Schuhe anzuziehen und Hunger hat sie auch. Ich merke, dass wir Übergänge immer vorgängig und verbal ankündigen müssen und möchte dies ab jetzt so umsetzen.

Am Meer angekommen findet unsere Tochter dann auch, dass Fahrradfahren auf dem Sand viel zu anstrengend ist und möchte wissen, wer denn auf diese bescheuerte Idee kam, auf dem festen Sand Fahrrad zu fahren. Es habe sie schliesslich auch niemand danach gefragt, ob sie überhaupt Fahrrad fahren wolle.

Und dann geschieht es: In mir und meinem Bauch grollt es, meine Gedanken gehen von: «Sie könnte ja auch dankbar sein, so etwas in ihrem Leben erleben zu dürfen», bis hin zu «nicht schon wieder» – ich ziehe mich zurück, während mein Mann übernimmt:

«Komm, unsere Fahrräder sind unsere Pferde, lass uns über den Sand reiten...» So höre ich ihnen gebannt zu, bin erleichtert, dass die Ablenkung übers Spiel funktioniert hat und bin dankbar, meine vorherigen Gedanken nicht laut ausgesprochen zu haben.

Es gelingt uns nicht jeden Tag gleich gut – meist schafft es aber immer ein Familienmitglied das temperamentvolle und gefühlsstarke Wesen unserer Tochter abzuholen und empathisch, geduldig und ohne Machtkampf auf ihr Verhalten einzugehen.

All diese herausfordernden Alltagssituationen kann ich viel besser meistern, wenn ich mit einer Leichtigkeit und mit Humor Verständnis für ihre Gefühle aufbringen kann.

Emotionale Probleme kannst du für andere nicht lösen – nur dabei helfen!

Wir versuchen die Kooperationsgemeinschaft immer wieder übers Spiel zu gewinnen und haben oft Erfolg, denn jedes Kind spielt gerne. Es geht nicht darum, dass Kinder uns auf der Nase herumtanzen wollen, nein sie wollen gehört, gesehen und gefühlt werden. Ist es vielleicht auch so, dass unsere Kinder auch unsere Emotionen nach aussen bringen?

Wir zeigen unseren Kindern auf, dass alle Gefühle OK sind und wir möchten ihnen dabei helfen, dass sie lernen, ihre Gefühle zu benennen. Dabei hören wir zu, begeben uns auf Augenhöhe und nehmen sie ernst.

Geschwister müssen in solchen emotionalen Momenten oft einstecken. Hier versuchen wir das Selbstwertgefühl durch positive Zuwendung immer wieder zu stärken, vor allem dann, wenn die Geschwister das Gefühl haben, in solchen Situationen nicht gehört zu werden.

Ich trenne das Verhalten des Kindes von der Person und mache mir immer wieder bewusst, dass es sein Verhalten nicht bewusst gegen uns richtet. Es lernt den Umgang mit seinen Gefühlen.

Ich bin dankbar, dass es unsere Tochter zu Hause im vertrauten Rahmen ausleben kann und darf, und auch ich lerne persönlich immer wieder Neues dazu.

Eines weiss ich ganz genau: Ich und meine Tochter sind mit unseren Gefühlen nicht allein! Lasst uns immer wieder bei uns selbst schauen, ob das Kind uns vielleicht auch etwas spiegelt.

Autorin: Martina Bührer, diplomierte Kleinkinderzieherin, Erwachsenbildnerin FA, Kursleiterin Starke Eltern – Starke Kinder® 

Lieblingsmotto aus dem Kurs: Vorbild dringt tiefer als viele Worte!

Kontakt: martinabuehrer@bluemail.ch

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.

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