Bedürfnissen in vier Schritten auf den Grund gehen

Eltern und ihre Kinder verbringen viel Zeit miteinander; da ist es umso wichtiger, dass die Bedürfnisse aller bekannt sind und auch beachtet werden.

Wenn ich meine eigenen Bedürfnisse und die meines Kindes kenne, lassen sich einerseits konfliktträchtige Situationen eher bereinigen, und andererseits kann eine Familie in einer so offenen Familienkultur näher zusammenwachsen. Wie geht das? Eine Anleitung in vier Schritten. 

1. In einer fordernden Situation zuerst die eigene Sauerstoffmaske überziehen …

Im Alltag einer Familie kann es schnell zum Konflikt kommen. Ein Paradebeispiel: Die Kinder schreien einander an, der Vater oder die Mutter muss sich gerade auf eine Arbeit konzentrieren. Bevor diese Situation in einem lauten Familienstreit mündet, hilft es, sich selbst eine kurze Auszeit zu gönnen und die Kinder noch einen kurzen Moment weiterlärmen zu lassen. Die Anleitung im Flugzeug «Ziehen Sie sich zuerst selbst eine Sauerstoffmaske über, bevor Sie anderen helfen» gilt hier sinngemäss ebenso. Denn erst, wenn die eigenen Bedürfnisse geklärt sind, kann anderen geholfen werden. Die eigenen Bedürfnisse auszumachen, ist der erste Schritt für ein besseres Zusammenleben.

2. … dann andere unterstützen

Im zweiten Schritt sind die Bedürfnisse der Kinder dran. Weshalb ist es laut geworden? Was benötigen die Kinder im Moment? Wenn Eltern klar wird, dass ihre eigene Wut ebenso einen guten Grund hat wie das Rumgeschreie der Kinder, tritt Verständnis an die Stelle von Ärger –Eltern und Kinder bleiben in Beziehung zueinander. Zu bedenken ist: Kinder können über ihre Bedürfnisse noch nicht in derselben Art nachdenken, wie das erwachsene Personen können. Doch sie haben dennoch das Recht, diese zu äussern und angehört zu werden ((verlinken mit Themendetailseite Einander zuhören in der Familie)).

3. Verstehen heisst nicht einverstanden sein

Wenn die Eltern sich beispielsweise über das Bedürfnis ihres Kindes im Klaren sind, heisst das nicht, dass dieses auch sofort erfüllt werden muss. Und es bedeutet auch nicht, dass sie sich mit dem etwaigen Verhalten des Kindes einverstanden erklären müssen. Ein Ziel des Verstehens ist auch, als Mutter oder Vater mit dem Kind in Beziehung zu bleiben, ganz nach dem Motto: «Beziehung kommt vor Erziehung.» Im dritten Schritt teilen nun die Eltern mit, welches ihre Bedürfnisse sind. Kinder sollen schliesslich lernen, dass die Erwachsenen ebenfalls Bedürfnisse und Grenzen haben und dafür auch einstehen. Am besten funktioniert das Anbringen von Wünschen mit einer Ich-Botschaft ((verlinken mit Themendetailseite Miteinander reden in der Familie)): «Ich möchte in Ruhe fertig telefonieren, bevor wir zusammen Zvieri essen.» 

4. Kreative Lösungen finden

Liegen alle Bedürfnisse auf dem Tisch, können im vierten und letzten Schritt verschiedene Wege gesucht werden, wie und inwieweit man sie erfüllen kann. In diesen Prozess sollen auch die Kinder miteinbezogen werden – leider geht in der Alltagshektik oft vergessen, dass Kinder sich als Teil der Gemeinschaft erleben und ihren Teil zu dieser beitragen wollen. Für Kinder ist es wichtig zu erfahren, dass auch ihre Bedürfnisse etwas zählen. Beim Finden von Lösungen sind sie zudem sehr kreativ – lassen Sie sich als Eltern ruhig überraschen.

Fazit

Sich innerhalb der Familie die Zeit zu nehmen, einen gemeinsamen Weg zu pfaden, lohnt sich. Das gemeinsame Besprechen von Bedürfnissen und aufeinander eingehen stärken das Verständnis füreinander und schaffen eine gelassene Atmosphäre innerhalb der Familie. Dies wiederum führt zu:

  • gegenseitiger Verbundenheit und zur besseren gegenseitigen Unterstützung;
  • mehr Leichtigkeit und Wertschätzung im Umgang miteinander;
  • einem gemeinsamen Lernprozess auf einer stabilen Grundlage.

Engagement Kinderschutz Schweiz

Kinderschutz Schweiz benennt die Missachtung der Rechte der Kinder und fordert die konsequente Umsetzung der UNO-KRK in der Schweiz. Die Stiftung bringt sich in Debatten ein, wird zum Schutz der Kinder aktiv und fordert von den politisch Verantwortlichen kinder- und familienfreundliche Strukturen.

Weitere Informationen und Kontakt

Danica Zurbriggen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bereich Programme
Telefon +41 31 384 29 11
danica.zurbriggen@kinderschutz.ch

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