Umgang mit Wut

Wut ist ein starkes Gefühl, in dem viel Kraft liegt. Das kann sich positiv oder negativ auswirken. Gerade jetzt, wenn Familien aufgrund der Coronapandemie vermehrt zu Hause sind, kann es Eltern oder Kinder schneller als sonst den «Deckel lüpfen». Überforderung und Stress können Wut auslösen. Oder wenn etwas nicht so gelingt, wie es sollte. Wut verleitet zu unüberlegten Handlungen wie Schlagen oder Schreien. Wutausbrüche verletzen das Kind in seiner Würde und in seiner körperlichen und psychischen Integrität und haben – vor allem wenn sie gehäuft auftreten – Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes

Aussteigen, bevor es «chlepft»

Ein Wutausbruch kommt selten aus dem Nichts. Die Wut steigt in der Regel schrittweise auf «180», bis es dann «chlepft». So wie die schrittweise Steigerung möglich ist, ist auch das «Runterkommen» Schritt für Schritt möglich. Es liegt an den Eltern, den Zeitpunkt zu finden und die Notbremse zu ziehen, um wieder herunterzukommen. Das kann bei 50, 110 oder auch bei 179 sein. Wichtig ist, die Eskalation zu verhindern. Im Rahmen der Kampagne «Starke Ideen» hat Kinderschutz Schweiz Handlungsalternativen für Eltern aufgelistet. Es sind Ideen, wie die Eltern das Hochsteigen der Wut stoppen können, bevor sie ausrasten. Immer gilt: Alle Gefühle sind erlaubt und werden akzeptiert – aber nicht alle Handlungen.

Wenn die Wut vorüber ist, kann die Situation aufgearbeitet werden. Sich Gedanken über die eigenen Bedürfnisse zu machen, kann ein Anfang sein.

Wenn es trotzdem kracht

Kinder sind verunsichert und verletzt, wenn es kracht. Sie reagieren mit Angst, Aggressivität oder Ablehnung, je nach Alter. Oft sehen sie die Schuld bei sich – egal ob ihr Verhalten tatsächlich die Ursache ist oder nicht. Auch wenn aus der Perspektive der Eltern die Kinder der Grund für die Wut sind, haben die Eltern die Aufgaben und die Verantwortung, den Schlüssel für die Veränderung zu suchen. Es ist deshalb an den Eltern, den ersten Schritt zu tun, sich zu entschuldigen und die Situation mit dem Kind zu besprechen.

Wenn sich solche Vorfälle wiederholen, sollten die Eltern darüber reden und sich Hilfe holen

Auch Kinder dürfen wütend sein

Auch Kinder sind manchmal wütend. Wichtig ist, sich in diesen Situationen bewusst zu werden, dass das Kind die Eltern mit seiner Wut nicht ärgern will. Die Wut ist häufig ein Zeichen von Hilflosigkeit. Aufgrund ihrer Gehirnentwicklung können Kinder ihre Wut noch nicht bewusst steuern. Die Kinder sind darauf angewiesen, dass die Eltern in solchen Situationen Ruhe bewahren und sie in ihrer Wut begleiten, bis sie sich beruhigt haben. Ruhe und Gelassenheit vermitteln dem Kind Sicherheit. Sie zeigen, dass alle Gefühle okay sind und dass jemand für sie da ist. 

Hintergrund

Die Aussagen sind zentrale Elemente des Elternkurses Starke Eltern – Starke Kinder® und der anleitenden Erziehung.