Starkes Wissen für starke Eltern

Erziehung fordert und überfordert manchmal auch. Ratgeber gibt es unzählige. Doch meist sind wir nach der Lektüre unsicherer als vorher.

Eltern glauben in Bezug auf Erziehung, dass Kinder für ihr Fehlverhalten bestraft werden müssen. Das ist zwar nicht grundsätzlich falsch. Wenn Strafe aber die Form von körperlicher oder psychischer Gewalt annimmt, dann ist der Schaden grösser als der Nutzen. Psychische und physische verletzende Bestrafungsmittel signalisieren den Kindern: «Ich will, dass du meine Grenze kennst und respektierst, deine Grenzen sind mir völlig egal!»

Ein Kind liebt seine Eltern natürlicherweise bedingungslos – und es ist abhängig von ihnen. Wenn Mami oder Papi das Kind als «nötige Konsequenz» für sein «falsches» Verhalten psychisch oder physisch verletzend bestraft, dann erhalten Kinder die Botschaft: «Was man liebt, wertet man ab.» Sie lernen dadurch, dass Liebe und Abwertung zusammengehören. Um die mit der schmerzhaften oder erniedrigenden Bestrafung einhergehende Demütigung auszuhalten, schalten Kinder mit der Zeit dann einen Teil ihres Gefühlszentrums im Gehirn quasi aus. Sie registrieren auf Dauer die Demütigung nicht mehr als Schmerz. Durch die Abwertungen wird das Urvertrauen des Kindes empfindlich gestört. Es erlebt elterliche Stärke nicht als Geborgenheit und Schutz, sondern als Angriff auf seine Persönlichkeit und Bedrohung. Und reagiert darum künftig in Konfliktsituationen mit Angst oder einem Gegenangriff – Machtkämpfe sind vorprogrammiert. Das muss nicht sein. Wir brauchen in Konflikten keine Angst davor zu haben, uns als Mutter oder Vater klar zu positionieren. Wichtig dabei ist, dass wir das immer in Liebe und Wertschätzung gegenüber dem Kind tun und dabei seine Grenzen respektieren. Für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kind müssen wir authentisch sein und als Persönlichkeit sichtbar werden. Dazu gehört auch Nein sagen. Ein Nein muss nicht böse ausgesprochen werden. Wir können uns auch in liebevollem und fürsorglichem Ton abgrenzen und müssen bei einem Nein nicht die Integrität, die persönliche Grenze des Kindes verletzen und es so abwerten.

Positives erkennen
Oft überlagern Konfliktsituationen unseren Eindruck vom Familienalltag. Doch läuft nicht auch ganz vieles rund? Es tut Ihnen und Ihrem Kind gut, wenn Sie die schönen Momente und tollen Eigenschaften Ihres Kindes wertschätzen und das auch zum Ausdruck bringen. Das vertieft Ihre Beziehung zu Ihrem Kind, und Ihr Kind weiss, was Sie an ihm schätzen. Dadurch kann es sich eher in Ihrem Sinne verhalten.
Zuhören hilft verstehen
Das aufmerksame Zuhören ist wichtig für eine positive Entwicklung des Kindes und fördert das Verständnis innerhalb der Familie. Ziel des aufmerksamen Zuhörens ist es, die Gefühle und Beweggründe des Kindes zu verstehen. Dadurch fühlt sich das Kind ernst genommen, es erfährt Zuwendung durch die Eltern, was sein Vertrauen stärkt.
Vorbild sein
Am meisten Einfluss auf unsere Kinder gewinnen wir dadurch, wie wir selber sind bzw. wie wir handeln. Bezogen auf die Eltern-Kind-Beziehung heisst das, dass Eltern ihren Kindern ein Vorbild sind – ob sie es wollen oder nicht. Vorbild sein bedeutet nicht, perfekt zu sein, damit auch das Kind «perfekt» wird. Vorbild sein heisst, authentisch zu sein – und auch mal über den eigenen Schatten zu springen. Die meisten Eltern kommen irgendwann an ihre Grenzen und fühlen sich hilflos, wenn Zureden und Ermahnen nichts nützen. Durch bewusstes Innehalten und Selbstreflektion können Mütter und Väter lernen, mit schwierigen Erziehungssituationen konstruktiv umzugehen.
Grenzen setzen
Klar und liebevoll gesetzte Grenzen und Regeln bieten Kindern einen geschützten Freiraum, Orientierung und Halt. In diesem abgesteckten Rahmen können sie sich sicher bewegen, sie wissen, woran sie sind, und können zwischen «richtig» und «falsch» unterscheiden. Durch gut begründete Grenzen und Regeln lernen Kinder Frustrationen auszuhalten, Lust und Genuss aufzuschieben oder auch ganz darauf zu verzichten. So können sie sich später besser im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld zurechtfinden und mit auftretenden Frustrationen im Leben besser umgehen.
Ohrfeigen, «Fuditätsch» und Schreien gehören nicht einfach dazu
Für viele Menschen bedeutet, ein Tier zu schlagen, eine Grausamkeit, einen Erwachsenen zu schlagen, Aggression – und gleichzeitig wird oft behauptet, ein Kind zu schlagen oder psychisch herabzusetzen, sei zu «seinem Besten». Diese Logik geht nicht auf. Die meisten Eltern kommen irgendwann an ihre Grenzen und fühlen sich hilflos, wenn Zureden und Ermahnen nichts nützen. Durch bewusstes Innehalten und Selbstreflektion können Mütter und Väter lernen, mit schwierigen Erziehungssituationen konstruktiv umzugehen.
Grenzen respektieren
Durch die Beteiligung des Kindes an der Suche nach Lösungsmöglichkeiten wird vermieden, dass das Kind das Gefühl hat, «Verlierer» zu sein und abgewertet zu werden. Stattdessen werden ihm Beteiligungsmöglichkeit und ein Entscheidungsspielraum gegeben, der auch die Grenzen des Kindes berücksichtigt. Damit zeigen Eltern, dass sie ihr Kind nicht mit seinem Problem alleine lassen. Das Kind erfährt, dass auch seine Meinung wichtig ist. Da es an der Entscheidungsfindung beteiligt ist, wird es sich eher an Abmachungen halten.
Perfekt braucht es nicht und gibt es nicht
Niemand ist perfekt – auch Eltern nicht. Darum sollten Sie auch nicht versuchen, so zu tun als ob – sonst machen Sie es Ihrem Kind nur schwer, selber Fehler zuzugeben und daraus zu lernen. Seien Sie ehrlich, und sagen Sie ihrem Kind, wenn Sie einmal etwas nicht so gut gemacht haben. Entschuldigen Sie sich, und lachen Sie zusammen darüber. Für Kinder ist es wichtig, authentische Eltern zu haben, die zu ihren Schwächen stehen und ihnen zeigen, wie es ihnen geht, was ihnen gefällt und was nicht.
Kontrollieren Sie Ihren Ärger, nicht Ihr Kind
Im Zusammenleben mit Kindern gibt es immer wieder Situationen, in denen Sie sich ärgern oder die Sie wütend machen. Halten Sie kurz inne, bevor Sie explodieren. Lassen Sie Ihren Ärger nicht durch Worte oder Taten an Ihren Kindern aus. Um die erste Wut «verrauchen» zu lassen, gibt es viele verschiedene Handlungsalternativen: den Ort kurz verlassen und tief durchatmen, einmal ums Haus laufen, etwas Warmes trinken usw. Wichtig ist es, die Situation später in Ruhe zu klären.
Hilfe holen, ist ein Zeichen der Stärke
Eltern sein ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Energie braucht. Schätzen Sie Ihre Reserven richtig ein, und sorgen Sie für Ihr Wohlbefinden. Es ist legitim, sich Entlastung oder Rückenstärkung zu holen. Nehmen Sie die Hilfe von Freunden, Verwandten und Bekannten in Anspruch, oder holen Sie sich Unterstützung bei Fachpersonen.

Die Anlaufstelle für Eltern und Bezugspersonen

Hier finden Sie schnell eine Beratungsstelle in ihrer Nähe.

Tag und Nacht erreichbar - kostenlos

Die Pro Juventute Elternberatung ist Tag und Nacht erreichbar. Ausser den normalen Telefongebühren fallen keine zusätzlichen Kosten an. Telefon: 058 261 61 61

Neben der persönlichen Beratung am Telefon bietet die Pro Juventute Elternberatung auch eine Online-Beratung sowie weitere Informationen für Eltern und Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen.

Der Elternnotruf steht rund um die Uhr zur Verfügung: Telefon 0848 35 45 55 oder www.elternnotruf.ch

Starke Eltern - Starke Kinder

Starke Eltern – Starke Kinder® ist ein standardisierter Elternkurs, welcher das Modell der anleitenden Erziehung vermittelt. Eltern werden unterstützt, ihre Rolle und Verantwortung wahrzunehmen.