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Aus dem Erziehungsalltag: Auswege aus der Negativspirale

Oft sehen wir als Eltern nur, was im Alltag mit unseren Kindern nicht gut läuft oder Mühe macht. Claudia Bischofberger zeigt uns Auswege aus der Negativspirale auf.

Im Alltag erliegen wir dem Stress, den Sorgen und der Hektik. Wir haben keine Zeit und achten zu wenig auf unsere Bedürfnisse und auf die Anliegen der Kinder. Allzu schnell nehmen wir die Defizite wahr und was nicht reibungslos läuft. Diese Anspannung zeigt sich auch in unserer Sprache: So heisst es dann öfter «komm...mach…kannst du denn nie…wie oft muss ich dir noch sagen» etc.

Gefangen in der Negativspirale

Im schlimmsten Fall jagt ein schlechter Tag den nächsten und behindert das harmonische Zusammenleben. Ist eine Familie in dieser Negativspirale gefangen, sind schlechte Stimmung und das Gefühl vorprogrammiert, jeder komme zu kurz. Kinder empfinden an diesen Tagen die Aussagen ihrer Eltern als andauerndes Schimpfen und spüren wenig Wertschätzung. Dies ist nicht förderlich für die Entwicklung und Stärkung des Selbstwertgefühls. Als Eltern sind wir zusätzlich vom schlechten Gewissen geplagt, nur noch am Brüllen, Schimpfen und Streiten zu sein und nicht die entspannte Mutter oder der lustige Vater, die wir eigentlich sein wollen.

Den Blickwinkel ändern

Hat Ihr Kind heute seine Jacke selbständig und ohne Ermahnung an die Garderobe gehängt? Dann loben Sie es und zeigen Sie ihm Ihre Freude! Schon kleine Verbesserungen und Fortschritte sind wichtig, gerade auch in Konfliktsituationen. Zum Wachsen brauchen Kinder Anerkennung, Liebe und Vertrauen. Dies müssen sie jeden Tag spüren und erfahren, auch dann, wenn das Familienleben nicht so harmonisch verläuft. Es ist zuweilen nötig, dass wir als Eltern eine Pause einlegen, um darüber nachzudenken, wie oft wir unserem Kind an diesem Tag positiv begegnet sind. Haben Sie Ihrem Kind heute schon gesagt, dass Sie es lieben, haben Sie es umarmt, angelächelt oder liebevoll mit ihm gesprochen?

Kinder brauchen diese echte Beziehung und Nähe zu ihren Bezugspersonen für eine gesunde Entwicklung. Dazu gehört auch, dass wir versuchen, unsere Kinder zu verstehen.

Positivem im Alltag mehr Raum geben 

Übung positive Seiten

Sie brauchen ein Blatt Papier und einen Stift. Das Kind legt seine Hand auf das Blatt, Sie umfahren die Hand mit dem Stift. Anschliessend überlegen Sie sich, was Ihr Kind für positive Eigenschaften hat und schreiben je eine davon in jeden Finger.

Diese Überlegung kann auch für Erwachsene (Partner, Schwiegereltern) spannend sein oder das Kind überlegt sich je nach Alter das Gleiche für die Eltern.

Übung Gedanken-Stopp / positive Gedanken

Kinder wollen uns mit ihrem Verhalten oft etwas anzeigen, was sie mit Worten noch nicht ausdrücken können. Ziel dieser Übung ist es, das Bewusstsein für negative Gedanken und deren Einfluss auf den weiteren Verlauf von Stress-Situationen zu stärken und einen anderen Blick auf das Kind zu eröffnen:

Das Kind will die Schuhe nicht anziehen, die Zeit drängt. Sie merken, wie Sie wütend werden und gleich wieder schimpfen, streiten oder schreien werden. 

Atmen Sie tief durch, bleiben Sie ruhig und versuchen Sie herauszufinden, weshalb sich das Kind so verhält: Ist es müde, überfordert, hungrig, wütend, eifersüchtig?

Versuchen Sie, Ihr Kind positiv zu sehen und sich daran zu erinnern, wie sehr Sie es lieben.

Mit dieser Grundhaltung werden Sie ruhiger, gelassener und mit mehr Humor reagieren – probieren Sie es aus!

Übung positive Seiten