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Vorbild ist besser als Worte!

«Was ist mir wichtig…
…in meinem Familienleben?»
…in meiner Beziehung zu anderen Menschen?»
…in der Erziehung meiner Kinder?»

Was mir wichtig ist hängt damit zusammen, welche Wertvorstellungen ich habe. Wertvorstellungen oder Werte lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen: Es gibt ethische Werte (z.B. Ehrlichkeit, Respekt, Treue), religiöse Werte (z.B. Nächstenliebe), politische Werte (z.B. Toleranz, soziale Gerechtigkeit, Selbstbestimmung) oder materielle Werte (z.B. ein Haus oder Auto besitzen).
Unsere Werte sind geprägt von der eigenen Geschichte: Wir Eltern wurden auch einmal erzogen. Bewusst oder unbewusst haben wir unsere eigenen Eltern beurteilt, ob sie ihre Erziehungsaufgabe gut gemacht haben oder nicht. In der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Erziehung können wir uns fragen: Welche Werte, die ich von meinen Eltern mitbekommen habe, möchte ich ebenfalls weitergeben? Und welche auf keinen Fall?

Wir sind jedoch nicht nur durch die Werte unserer Eltern geprägt. Auch die Werte der Gemeinschaft oder der Gesellschaft als Ganzes, in der wir leben, beeinflussen uns. So galten vor wenigen Jahrzehnten Werte wie Zurückhaltung, Anpassungsfähigkeit und Ordentlichkeit in der Gesellschaft und darum auch in der Erziehung als wichtig. Heute hingegen sind Werte wie Authentisch sein, Selbstbewusstsein und Einzigartigkeit in der Gesellschaft mehr gefragt und daher auch wichtige Erziehungsziele geworden.

Dann gibt es noch Werte, die im Umgang mit Kindern fast auf der ganzen Welt als wichtig erachtet werden. Diese sind in der UNO-Konvention über die Rechte des Kindes festgehalten. Auch die Schweiz hat diese Konvention unterzeichnet. Wir tun also gut daran, sie als Eltern zu kennen und uns daran zu halten. Eine kürzlich erschienene Broschüre erklärt die Kinderrechte auf einfache Art. Übrigens: Am 20. November ist Tag der Kinderrechte.

Unabhängig davon, woher die Werte kommen: Alle sollen «irgendwie bei den Kindern ankommen». Sie sind uns so wichtig, dass wir uns wünschen, dass unsere Kinder sie verinnerlichen. Deswegen sind wir bereit, uns Gedanken zu machen, wie das gelingen könnte.

8 Säulen, wie Werte vermittelt werden können

Im Buch «Kinder brauchen Werte» beschreibt der Kinderpsychiater Robert Coles wie Werte erfolgreich vermittelt werden können.

  1. Das wahrscheinlich Wichtigste ist das authentische Vorleben. Authentisch bedeutet: Reden und Handeln stimmen überein. Mehr dazu im Artikel „Aus dem Erziehungsalltag».
Abgesehen davon ist es für unsere Kinder hilfreich, wenn...
  1. sie sich geliebt fühlen und respektiert werden.
  2. Kinder die Folgen ihres Handelns (die Konsequenzen) erfahren, sobald Grenzen überschritten werden. Wichtig ist dabei, „Konsequenzen“ von „Strafen“ zu unterscheiden. Konsequenzen können zwar – genauso wie Strafen – unangenehme Gefühle beim Kind auslösen. Konsequenzen haben jedoch immer – im Gegensatz zu Strafen – einen logischen Zusammenhang mit der Grenzüberschreitung. Ein Beispiel: Das Kind hat den Schrank ausgeräumt und die Sachen im ganzen Raum verteilt. Konsequenz: Das Kind muss die Sachen wieder in den Schrank räumen (je nach Alter mit Unterstützung der Eltern). Strafe: Das Kind kriegt beim Nachtessen kein Dessert.
  3. Eltern einen klaren Standpunkt vertreten. Denn unsichere Eltern verunsichern ihre Kinder. Ein Beispiel für einen klaren Standpunkt: Bei uns bleiben wir sitzen, bis alle fertig sind mit Essen – das gilt auch für den Besuch.
  4. wir Eltern unsere Fehler eingestehen. Dadurch werden wir für unsere Kinder glaubwürdig. Niemand ist perfekt und dazu sollen wir auch stehen.
  5. wir gute Argumente haben. Unsere Kinder sind nicht dumm und so macht es Sinn, wenn es nachvollziehbare Gründe gibt, warum wir gewisse Dinge wichtig finden. Ein Beispiel: Wir bleiben am Tisch, weil wir finden, dass alle dazugehören und niemand alleine sitzen muss.
  6. wir Eltern unseren Kindern altersgerechte Aufgaben übertragen. So können Kinder üben, Verantwortung zu übernehmen.
  7. Eltern gemeinsam für Werte einstehen. Das verbindet, bringt Eltern ins Handeln und zeigt ihren Kindern beispielsweise: Meinen Eltern ist der Umweltschutz so wichtig, dass sie den Abfall trennen.

Ich wünsche uns allen den Mut, mit Hilfe dieser 8 Säulen für das einzustehen, was uns wichtig ist. Unseren Kindern und uns selbst zuliebe.



Hintergrund zum Motto

Das Motto «Vorbild ist besser als Worte!» ist eines von 12 Mottos, welche durch den Elternkurs Starke Eltern – Starke Kinder: null bis drei führen. Der Kurs «null bis drei» richtet sich an Eltern von Babies und Kleinkindern und greift spezifische Themen dieser Lebensphase auf, so u.a. Bindungsverhalten, Tagesstruktur & Spiel, Motorik- & Sprachentwicklung, Übergang von der Paarbeziehung zur Familie, Geschwisterkonflikte und Trotzphase.

Die Mottos des Elternkurses bringen wichtige Erziehungsgrundsätze auf den Punkt und dienen Eltern als Leitsätze im Erziehungsalltag. Der Elternkurs vermittelt das Modell der «anleitenden Erziehung»: Neben einer liebevollen, warmherzigen und aufmerksamen Haltung gegenüber den Kindern steht auch die Vermittlung von klaren Regeln, Werten und Normen im Vordergrund.