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Aus dem Erziehungsalltag: Gutes Gesprächsklima schaffen

Kommunikation ist der Schlüssel zu jeder guten Beziehung – auch innerhalb der Familie. Nancy Glisoni erklärt, wie unsere Sprache Familienmitglieder verletzen, bei bewusstem Einsatz aber auch zusammenbringen kann.

Kommunikation ist der Schlüssel zu jeder guten Beziehung, das gilt auch für ein harmonisches Miteinander in der Familie. Der hohe Anspruch an uns selbst, immer das Beste als Eltern geben zu wollen – trotz Arbeitsbelastung im Job, Schlafmangel und der Verzicht auf persönliche Bedürfnisse –, lassen uns dünnhäutiger und verletzlicher werden.

«So habe ich es nicht gemeint!»

Vielleicht haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass Ihre Worte manchmal bei den Kindern oder dem Partner nicht «richtig» ankommen? Oder dass ein Gespräch, welches ruhig begann, plötzlich umschlägt und schlechte Stimmung aufkommt? Das Gegenüber fühlt sich nicht ernst genommen, verletzt und reagiert aggressiv, wütend, traurig oder zieht sich zurück. Jedes einzelne Wort erhält durch die jeweilige Gemütslage, Stimme, Gestik und Mimik bei Ihrem Gesprächspartner Bedeutung und wirkt – aber nicht so, wie Sie es gemeint haben. Was können Sie tun, um ein gutes Gesprächsklima zu schaffen? Eine erfolgreiche Kommunikation ist nicht immer einfach, kann aber erlernt und geübt werden.

Interesse zeigen und aktiv zuhören

Im Alltag ist es wichtig, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben; ohne zu drängen, sondern mit ehrlichem Interesse. Manchmal reicht schon ein aufmerksamer Blick, ein Kopfnicken oder ein sogenannter «Türöffner», um ein Gespräch in Gang zu bringen, wie zum Beispiel, wenn sich das Kind ärgert:

«Du bist die blödeste Mama von der Welt!»

«Wirklich?»

«Ja, wirklich! Es ist gemein von dir, dass ich…»

Oder

«Ich hasse den Kindergarten. Da gehe ich nie, nie wieder hin!»

«Du hasst den Kindergarten wirklich sehr.»

«Ja, alles ist dort scheisse. Besonders Frau Müller.»

«Du ärgerst dich ganz besonders über deine Lehrerin?»

«Ja, weil…»

Damit Ihr Kind spürt, dass Sie es ernst meinen, gehen Sie auf seine Augenhöhe und nehmen Sie Blickkontakt auf. Wenn es passt, fassen Sie Ihr Kind leicht bei den Händen oder den Schultern. Hören Sie ihm aktiv zu. Das heisst, Sie versuchen aufmerksam zwischen «den Zeilen zu lesen» und zu überlegen, was das Kind bzw. Ihr Gegenüber meinen könnte, ohne es bewusst schon selbst zu wissen. Das Ergebnis des Zwischen-den-Zeilen-Lesens formulieren Sie in eigenen Worten um und melden es zurück. Ein Prozess des gegenseitigen Verstehens kommt ins Rollen und Sie kommen dem Problem näher. Bieten Sie keine fertigen Lösungen an oder geben Ratschläge, sondern unterstützen Sie Ihr Kind, einen eigenen Weg zu finden. Im Laufe des Gespräches können sich so verschiedenen Lösungsmöglichkeiten herauskristallisieren und das Bestreben nach Selbstständigkeit Ihres Kindes wird unterstützt.

Umsetzung im Alltag

Übung: Ich-Botschaften

Neben dem aktiven Zuhören sind Ich-Botschaften ein hilfreiches Mittel, um sich und seine Gefühle in Problemsituationen offen und ehrlich auszudrücken. Ich-Botschaften sind Redewendungen, in denen Sie etwas über Ihre eigene Wahrnehmung sagen, von Ihren Gefühlen sprechen ohne den Anderen zu beschuldigen oder Vorwürfe zu machen. Sie drücken einen Wunsch, ein Gefühl oder eine Meinung aus. Dabei wird nicht das Kind als Person kritisiert, sondern es erhält eine Rückmeldung zu seinem Verhalten in der jetzigen Situation. Welche Formulierung kommt wohl besser an. «Du Faulpelz, tue endlich etwas» oder «Ich brauche dringend deine Hilfe!»? Probieren Sie es doch selbst einmal.

Ich-Botschaften hören sich anfangs gestellt und ungewohnt an, können aber im Gespräch mit dem Arbeitskollegen, Freunden oder dem Partner geübt werden.

Übung: Abbruch und Reflexion

Selbst bei bester Absicht kann sich ein Gespräch in eine ungewollte Richtung entwickeln. Auseinandersetzungen kommen in allen Familien vor. Hilfreich ist, das Gespräch dann erst einmal abzubrechen, bis sich die Erregung auf allen Seiten gelegt hat. Nun soll es nicht darum gehen, weiter zu diskutieren, sondern zu besprechen, wie alle im Streit miteinander umgegangen sind. Sprechen Sie über Gefühle und Ihre Motive, warum Sie sich so verhalten haben, was Sie erreichen wollten und wie es Ihnen dabei ging und entschuldigen Sie sich, wenn nötig. Dies unterstützt, sich gegenseitig zu verstehen und den Konflikt auf eine andere Weise zu lösen.

Studieren vor dem Kommunizieren