2017

Kinderhandel: Opfer haben Recht auf Schutz und angemessene Betreuung

Mit dem Video «Kinderhandel? Was hat das mit der Schweiz zu tun?» macht Kinderschutz Schweiz auf die Problematik Kinderhandel hierzulande aufmerksam. Kinder meist ausländischer Herkunft werden in der Schweiz zum Beispiel als Arbeitskraft in Privathaushalten oder in der Prostitution ausgebeutet; sie werden gezwungen, zu betteln oder Einbrüche zu begehen. Im Video wird einfach und verständlich erklärt, was unter Kinderhandel zu verstehen ist, welche Ursachen dahinterstehen, welchen Schutz bzw. welche angemessene Betreuung die minderjährigen Opfer benötigen und was gegen Kinderhandel getan werden kann. Das Video ist Teil der vielfältigen Aktivitäten der Aktionswoche «Die Schweiz gegen Menschenhandel».

Herbstsession 2017: Kinderschutz Schweiz unterstützt die Schaffung eines neuen Schutzstatus

Die Erfahrung zeigt: Viele Personen mit vorläufigem Aufenthaltsstatus können nicht in absehbarer Zukunft in ihr Herkunftsland zurückkehren. Bei Kindern muss der Fokus auf die Integration und nicht auf die «Rückreise» gerichtet werden. Die Motion der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats Ersatz des Status der vorläufigen Aufnahme schlägt die Schaffung eines neuen Schutzstatus vor. Kinderschutz Schweiz stimmt der Motion mit dem Vorbehalt zu, dass ein Status geschaffen wird, der allen betroffenen Kindern ein Recht auf Bildung garantiert. Die von der Kommission vorgeschlagene Aufteilung in «geschützt» und «vorläufig geschützt» ist daher dringend zu verhindern. Weiter fordert Kinderschutz Schweiz zwei Motionen anzunehmen, die bessere Grundlagen für die Erziehungsberechtigten schaffen und somit direkt den Kindern und ihren Entwicklungsmöglichkeiten zu Gute kommen.

Neues Netzwerk «Prävention sexuelle Gewalt im Freizeitbereich»

In den letzten Jahren gab es im Bereich «Prävention sexueller Gewalt im Freizeitbereich» und um die Fachstelle mira wichtige Veränderungen. Im Sommer 2015 hat Pro Juventute die Fachstelle befristet übernommen. Dies hat ermöglicht, nach der Auflösung von mira, die wichtige Arbeit in diesem Bereich ohne Unterbruch weiter zu führen. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit Partnern nach einer neuen, nachhaltigen Lösung gesucht. Ab Juli 2017 knüpft neu ein schweizweit tätiges Netzwerk unter Leitung der Stiftung Kinderschutz Schweiz an die Arbeit der vergangenen Jahre an.

80 Prozent der registrierten Kindsmisshandlungen finden innerhalb der Familie statt

Neuste Zahlen: 2016 wurden in Schweizer Kinderkliniken 1575 Kinder ambulant oder stationär wegen einer vermuteten oder sicheren Kindsmisshandlung behandelt. 2 dieser Kinder sind in Folge der Misshandlung gestorben. Dies zeigt der jährliche Bericht der Gesellschaft für Pädiatrie, welche die Zahlen von 21 der 25 Kinderklinken erheben und bearbeiten konnte. Langjährige Erhebungen zeigen: Die Hälfte dieser Fälle betreffen Kinder unter 6 Jahren, ein Fünftel Kinder unter 2 Jahren. Erhoben werden diese Fälle, in denen eine ärztliche Behandlung notwendig ist. Es handelt sich dabei also nur um die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer weder ärztlich verzeichneter noch an Behörden gemeldeter Fällen ist gross.

Sommersession 2017: Armut (be)trifft Kinder!

Kinderschutz Schweiz unterstützt politische Vorstösse zum Schutz armutsbetroffener Kinder. Mit dem Postulat 15.3940 (Yvonne Feri) Sozialhilfe. Studie über die Langzeitwirkungen auf Kinder und der Motion 15.3839 (Martina Munz) Alleinerziehende. Bessere Integration in den Arbeitsmarkt durch Weiterbildung und Nachholbildung stehen zwei Geschäfte auf der Agenda des Nationalrats, die bessere Grundlagen für die Bekämpfung und Prävention von Armut fordern. Sie fokussieren auf die Situation der überdurchschnittlich oft von Armut betroffenen «Einelternfamilien» wie auch auf die Schaffung von evidenzbasierten Grundlagen, die es ermöglichen, dass armutsbetroffene Kinder besser geschützt und gefördert werden können.

Kinderschutz Schweiz begrüsst Ablehnung der KESB-Initiative im Kanton Schwyz

Kinderschutz Schweiz begrüsst die Ablehnung der Volksinitiative «Keine Bevormundung der Bürger und Gemeinden» im Kanton Schwyz. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben sich hinter die professionellen Kindesschutzbehörden KESB gestellt. Dies ist ein wichtiges Zeichen für einen zeitgemässen und professionellen Kindesschutz, der das Kindeswohl ins Zentrum stellt. Das Initiativkomitee hatte die Absicht, das Vormundschaftswesen wieder zurück in die Verantwortung der Gemeinden zu geben und wieder zum alten System der vormundschaftlichen Laienbehörden zurückzukehren.

Wie verbreitet ist Gewalt in der Erziehung? Was nehmen Eltern überhaupt als Gewalt wahr?

Kinderschutz Schweiz erinnert am 30. April anlässlich des No Hitting Day – dem Tag der gewaltfreien Erziehung – daran, dass Gewalt in der Erziehung nie eine Lösung und in keiner Form akzeptabel ist. In der Schweiz fehlen aktuelle Zahlen zum Bestrafungsverhalten von Eltern: Welche Formen, welches Ausmass, welchen Stellenwert hat körperliche und psychische Bestrafung im Erziehungsalltag? Was verstehen Erziehungsberechtigte überhaupt unter Gewalt? Deshalb führt die Universität Freiburg im Auftrag von Kinderschutz Schweiz eine repräsentative Studie zum Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz durch. Die detaillierten Resultate werden im Herbst dieses Jahres vorgestellt.

Frühjahrsession 2017: Ratifikation der Istanbul-Konvention als wichtiger Schritt in der Gewaltprävention!

In der Frühjahrsession steht die Ratifikation der „Istanbul-Konvention“ auf dem Programm. Mit der Ratifikation bekundet die Schweiz ihren Willen, die Bemühungen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen, Männern und Kindern – insbesondere im Bereich der häuslichen Gewalt – weiter zu verbessern.

Weiter steht die Behandlung verschiedener parlamentarischer Vorstösse an, die zum Ziel haben, allen Kinder in der Schweiz – unabhängig von Herkunft und sozialem Status – denselben Schutz, dieselbe Betreuung und dieselben Rechte zu garantieren. Die Ratifikation der UNO-Kinderrechtskonvention durch die Schweiz jährt sich zum 20. Mal und es zeigt sich, dass Verstösse gegen die Kinderrechte aktuell oft geflüchtete Kinder betreffen.

Kinderschutz Schweiz erklärt Kinderrechte in den Pro Juventute Elternbriefen alltagstauglich

Anlässlich der Unterzeichnung der UNO-Kinderrechtskonvention (UNO-KRK) durch die Schweiz vor 20 Jahren erhalten die Kinderrechte in den Pro Juventute Elternbriefen mehr Gewicht: Die von der Stiftung Kinderschutz Schweiz erarbeiteten Beiträge zu den Kinderrechten schaffen anhand von Beispielen und Erklärungen Bezüge zum Alltag der Kinder und ihrer Familien.  In der UNO-KRK enthalten sind allgemeine Menschenrechte, wie etwa das Recht auf Bildung und Gesundheit, aber auch spezifische Rechte zum besonderen Schutz, Förderung und Fürsorge von Kindern. Für Eltern stellen sich viele Fragen: Welche Bedeutung haben die Kinderrechte im Alltag? Wie können Eltern dazu beitragen, dass Kinder ihre Rechte wahrnehmen können?

Neue Anlaufstelle für Betroffene im Kindes- und Erwachsenenschutz

Die Schweiz erhält eine Anlaufstelle für Personen, die mit Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB), Beiständen oder Scheidungsgerichten in einer Konfliktsituation sind. Die neue, unabhängige Anlaufstelle KESCHA ist als Ergänzung zu bestehenden Angeboten gedacht. Sie bietet Betroffenen neutrale Beratung per Telefon oder im persönlichen Gespräch durch unabhängige Fachleute auf deutsch, französisch und italienisch an. Auf der Webseite der Fachstelle wird einfach und verständlich über das Kinder- und Erwachsenenschutzrecht informiert.

Die Anlaufstelle wurde von der Guido-Fluri-Stiftung initiiert und gemeinsam mit der Stiftung Kinderschutz Schweiz, dem Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik Integras, Kinderanwaltschaft Schweiz, Pflege- und Adoptivkinder Schweiz und der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz KOKES aufgebaut.

Appell für humanitäre Anwendung Dublin-Verfahren unterzeichnen

Die Schweiz wendet das Dublin-Verfahren sehr strikt an. Dieser übertriebene Formalismus gefährdet nicht nur die psychische und die physische Gesundheit der Betroffenen, sie führt auch zu einer Verletzung der Grundrechte und der Rechte der Kinder.

Im Namen der Dubliner Abkommen werden zum Beispiel Familien getrennt, Kranke in ein Land abgeschoben, in dem keine medizinische Versorgung garantiert ist, Kinder mitten im Jahr aus ihrer Schulklasse gerissen, Mütter von Kleinkindern nach Italien ausgeschafft, während der Vater der Kinder in der Schweiz bleibt.

Der Appell der Organisation "Solidarité Tattes" verlangt unter anderem vom Bundesrat, dass er alle Möglichkeiten ausreizt, die ihm die Dublin- Verordnung gibt, um keine Grundrechte und internationale Konventionen über die Rechte der Kinder zu verletzen.