Vaterschaftsurlaub auf Kosten von Mutterschaftsurlaub ist keine Option! Kinderschutz Schweiz fordert eine Elternzeit!

Kinderschutz Schweiz begrüsst, dass auch die FDP die Zeichen der Zeit erkannt hat und einen Vaterschaftsurlaub nicht mehr per se ablehnt. Der Vorschlag der FDP-Fraktion, den Vaterschaftsurlaub auf Kosten des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub einzuführen, lehnt Kinderschutz Schweiz jedoch ausdrücklich ab. Anstelle einer Entlastung der Familie führt dieser Vorschlag zu erhöhtem Stress durch Mehrfachbelastungen der Eltern.  

Der Vorschlag der FDP-Fraktion zum Vaterschaftsurlaub gefährdet die Stabilität der Familie 

Der Gegenvorschlag der FDP-Fraktion gefährdet nicht nur die Stabilität der Familie in der anspruchsvollen Zeit nach der Geburt eines Kindes, er lenkt zusätzlich von den Bedürfnissen des Kindes ab. Xenia Schlegel, Geschäftsleiterin Kinderschutz Schweiz: „Vaterschaftsurlaub ist kein Ersatz zum bestehenden Mutterschaftsurlaub, Elternzeit ist aus unserer Sicht die ideale Ergänzung zum bestehenden Mutterschaftsurlaub.“

Elternzeit für das Kindeswohl

Mit der Geburt eines Kindes übernehmen die Eltern neue Aufgaben und eine grosse Verantwortung für das Wohl des Kindes. Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt, brauchen Eltern Zeit und Ruhe, um sich auf die neue Situation einlassen zu können, dem Kind Zuneigung zu geben und eine enge Bindung zu ihm aufzubauen. Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist die Beziehung zu den primären Bezugspersonen – auch der Väter – von höchster Bedeutung sowohl für die Entwicklung, auch für den Schutz des Kindes.

Argumente gegen den Vorschlag

Mit dem Gegenvorschlag der FDP wird die anerkannte, körperliche Erholungszeit der Mutter nach der Geburt beschnitten, was sich nachteilig auf das ganze Familiensystem auswirken kann.

Die Paarbeziehung muss neu definiert werden. In der Gewöhnungsphase bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes stabilisiert sich die Situation. Der Vorschlag der FDP – 8 Wochen unter dem Paar auszuhandeln – bringt eine weitere Herausforderung an die Paarbeziehung mit sich. Denn die engere Bindung des Partners oder der Partnerin zum Kind wird im Vorschlag nur durch den eigenen Verzicht auf Mutterschafts- oder Vaterschaftsurlaub erreicht.

Gefestigte Bindung schützt

Aus entwicklungspsychologischer Sicht kommt in der Phase der frühen Kindheit (0–8 Jahre) dem Aufbau und der Festigung der Bindung der Eltern zum Kind eine zentrale Rolle zu. Gefestigte Bindungen sind für Kinder ein Schutzfaktor von grösster Bedeutung und essentiell für ihre optimale Entwicklung. Sie sind die Grundlage für ihr Vertrauen in die Welt. Für den Aufbau dieser Beziehungen müssen die primären Bezugspersonen zeitlich ausreichend verfügbar sein, die Signale des Säuglings richtig wahrnehmen und angemessen darauf reagieren. Das ist allerdings nur möglich, wenn sie selbst nicht anderweitig belastet sind. Elternzeit trägt dazu bei, die Beziehung – sowohl zwischen Mutter und Kind, als auch Vater und Kind und den Eltern untereinander – zu stärken und die die familiäre Situation zu entlasten.

Elternzeit ist eine Investition in die Familien – auch zum besseren Schutz der Kinder.

Ein Blick in die gerade veröffentlichte Nationale Kinderschutzstatistik 2017 der Schweiz zeigt, dass Kinder im ersten Lebensjahr stark gefährdet und betroffen sind. Kinderschutz Schweiz ist davon überzeugt, dass Kindsmisshandlungen, welche oft mit Überforderung zusammenhängen, mit einer Elternzeit vorgebeugt werden können.

Xenia Schlegel, Geschäftsleiterin Kinderschutz Schweiz: «Kinderschutz Schweiz fordert eine Elternzeit, welche die Errungenschaften des Mutterschaftsurlaubes nicht beschneidet und einen gesetzlich geregelten und entschädigten Vaterschaftsurlaub vorsieht.» 

Kontakt


Xenia Schlegel, Leiterin Geschäftsstelle, 031 384 29 29, xenia.schlegel@kinderschutz.ch

Zurück