Europäischer Tag gegen Menschenhandel: Neues praxisorientiertes Handbuch „Kinderhandel. Prävention, Identifizierung und Betreuung minderjähriger Opfer“ erschienen

Die Fachstelle ECPAT Switzerland der Stiftung Kinderschutz Schweiz lanciert ein neues Handbuch zur Prävention, Identifizierung und Betreuung von Opfern von Kinderhandel. Indem es Fachleute aus Justiz, Sicherheit, Medizin, Verwaltung und Opferhilfe für Kinderhandel sensibilisiert und ihnen praxisorientierte Handlungsanweisungen bietet, trägt es zu einer verbesserten Früherkennung und Betreuung von Opfern bei. Ein Kapitel geht speziell auf das Asylwesen ein.

Die Datenlage zu Fällen von Menschenhandel in der Schweiz ist ungenügend: Sie beruht auf den Angaben von kantonalen und zivilgesellschaftlichen Opferhilfestellen. Die Dunkelziffer ist jedoch um ein Vielfaches höher, da nur wenige Fälle erkannt werden und sich Betroffene nur in seltenen Fällen an Beratungsstellen wenden. Die Früherkennung potentieller Opfer hat daher höchste Priorität. Nicht nur die Expertengruppe gegen Menschenhandel (Group of Experts on Action against Trafficking in Human Beings GRETA) des Europarates forderte die Schweiz im Oktober 2015 in ihrem Bericht dazu auf, Menschen- bzw. Kinderhandel näher zu untersuchen und Schulungen für Polizei und Behörden zur Erkennung von Opfern durchzuführen. Auch der UNO-Kinderrechtsausschuss legte der Schweiz im Februar 2015 ein einheitliches Vorgehen in allen Kantonen nahe, was die Identifizierung und Betreuung von Opfern von Kinderhandel betrifft. 

Handbuch leistet Beitrag zur Identifizierung von Opfern

Nur wenn ein Kind als Opfer von Kinderhandel identifiziert wird, kann es die nötige Betreuung und Unterstützung erhalten. Wie das gelingt und wie ein Verdacht auf Kinderhandel erkennbar ist, zeigt das neue praxisorientierte Handbuch der Fachstelle ECPAT Switzerland der Stiftung Kinderschutz Schweiz: Zwar gibt es bereits international und schweizweit gültige Indikatoren zur Identifizierung von Menschenhandel. Diese gehen jedoch weder spezifisch auf Kinder ein, noch befassen sie sich mit der speziellen Situation von Minderjährigen, die sich im Asylverfahren befinden.

Das Handbuch schliesst diese Lücken. Indem es im ersten Teil die Bedeutung von Kinderhandel und dessen verschiedene Formen erklärt sowie spezifische Warnsignale aufzeigt, legt das Handbuch einen wichtigen Grundstein zur Sensibilisierung von Fachleuten und erleichtert die Identifizierung von Opfern – sei es beim Grenzübertritt, während des Asylprozesses oder in Zusammenhang mit Kleinkriminalität.

Übergeordnetes Interesse des Kindes steht im Zentrum

In weiteren Teilen wird auf Besonderheiten bei der Befragung, der Unterkunft und Betreuung eingegangen sowie langfristige Lösungen skizziert. Das Handbuch zeigt Fachleuten aus dem Justiz-, Grenzwach-, Polizei-, Medizin-, Verwaltungs- und Betreuungsbereich erstmals Schritt für Schritt auf, was bei einem Verdacht auf Kinderhandel zu tun ist, damit das übergeordnete Interesse des Kindes gewährleistet ist. Es wurde erarbeitet unter Mitwirkung des Internationalen Sozialdienstes, der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, der Schweizerischen Flüchtlingshilfe und der Internationalen Organisation für Migration.

Handbuch "Kinderhandel. Prävention, Identifizierung und Betreuung minderjähriger Opfer“

  • von Kinderschutz Schweiz/ECPAT Switzerland, 89 Seiten, 2016.
  • erhältlich auf Deutsch und Französisch
  • als PDF kostenlos unter kinderschutz.ch/publikationen abrufbar
  • gedruckte Version für 25 CHF zzgl. Porto und Versand unter info@kinderschutz.ch bestellbar

Kontakt

  • Zum Handbuch:
    Géraldine Merz, wissenschaftliche Mitarbeiterin Kinderschutz Schweiz / ECPAT Switzerland, Telefon 031 384 29 02, geraldine.merz@kinderschutz.ch
  • Zu Fällen von Menschenhandel in der Praxis:
    Rebecca Angelini, FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, Telefon 044 436 90 09, rebecca.angelini@fiz-info.ch
Titelseite Handbuch Kinderhandel

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