20 Jahre Kinderrechtskonvention in der Schweiz: Zum Beispiel das Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe

Vor 20 Jahren hat die Schweiz die UNO-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Sie ist ein rechtlich bindendes Instrument und definiert Kinder als eigenständige Rechtsträger. Darin enthalten sind allgemeine Menschenrechte, wie etwa das Recht auf Bildung und Gesundheit, aber auch spezifische Rechte zum besonderen Schutz, zur Förderung und Mitwirkung von Kindern. Was hat die Konvention in der Schweiz bewirkt? Wo steht die Schweiz in der Umsetzung dieser Rechte? Kinderschutz Schweiz zeigt von Februar bis November jeden Monat anhand eines Themas auf, wie Kinderrechte in der Schweiz verankert sind und stellt vor, was wir dazu tun. Im Mai: Das Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe.

Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe – ein Luxus?

Die UNO-Kinderrechtskonvention ist ein umfassendes Menschenrechtsinstrument. Die darin enthaltenen Rechte sind universell gültig, sie gelten überall gleichermassen. Die einzelnen Rechte sind zudem unteilbar, das heisst sie bedingen einander, und es steht kein Recht über dem anderen.

Gerade das in der Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe (Artikel 31) wird aber oft als nebensächlich oder überflüssig betrachtet. Zu Unrecht. Doch was beinhaltet das Recht konkret? 

Artikel 31 anerkennt das Recht des Kindes auf Ruhe, Freizeit, Spiel und altersgemässe aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben. Es ist in der Verantwortung des Staates, dieses Recht zu fördern, indem allen Kindern die volle Beteiligung am kulturellen Leben ermöglicht wird und geeignete und gleiche Möglichkeiten für Spiel- und Freizeitbeschäftigung bereitgestellt werden.

Heute wird dem Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit oft wenig Priorität eingeräumt. Der Bewegungsradius von Kindern wird aus verschiedenen Gründen immer kleiner. Gelder für Freizeitanlagen oder Spielplätze werden gekürzt, Grünzonen werden überbaut. Der Zugang zum öffentlichen Raum ist für Kinder teilweise eingeschränkt. Erwachsene haben, aus Angst vor Unfällen oder Verbrechen, ihre Kinder lieber in der Nähe oder unter Aufsicht. Mit zunehmenden Anforderungen in der Schule und strengen Stundenplänen bleibt Kindern wenig freie Zeit zur Verfügung.

Das Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Aktivitäten ist kein Luxus. Es ist verbunden mit den anderen Rechten in der Kinderrechtskonvention, die zusammen als Ganzes betrachtet werden müssen. Wenn dem Recht auf Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe Rechnung getragen wird, trägt dies zur Erfüllung anderer Rechte bei.

Spielen und Freizeit steht im Zusammenhang mit optimaler Entwicklung und dem Kindswohl

Ein Kind lernt durch das Spiel, entwickelt neue Fähigkeiten und Fertigkeiten, erlebt Erfolge und Misserfolge und lernt, sich mit seinen Anliegen durchzusetzen. Beim Spielen drinnen und draussen, aber auch durch Ruhezeiten erwirbt ein Kind Kompetenzen, die es später einsetzen kann, um von der formalen Bildung profitieren zu können. Während der Schulzeit bleibt das Spiel für jedes Kind ein wichtiger Faktor, um seine Entwicklung bestmöglich zu unterstützen und seine Talente zu entfalten. Kinder jeden Alters brauchen neben Schule, Freizeitaktivitäten oder Hobbies Phasen der Erholung, um Eindrücke verarbeiten oder Neues verinnerlichen zu können. 

Die Bedeutung des Spielens ist zentral, damit Kinder sich gesund entwickeln und ihre Fähigkeiten erweitern können. Wenn die Grundlagen dazu geschaffen sind, entspricht dies dem Kindeswohl. Die optimale kindliche Entwicklung (Artikel 6) und das Berücksichtigen des Kindeswohl (Artikel 3) sind zwei zentrale Artikel der Kinderrechtskonvention. Der Begriff Kindeswohl ist bewusst breit gehalten. In einem ganzheitlichen Sinne umschreibt er das Wohlergehen eines Kindes. Was dem Kindeswohl am besten entspricht, ist je nach Situation unterschiedlich. Das Kindeswohl muss stets anhand der individuellen Gegebenheiten und der sich entwickelnden Fähigkeiten der Kinder bestimmt werden. Deshalb ist auch die Spiel- und Freizeitgestaltung dann sinnvoll, wenn sie auf die individuellen Bedürfnisse, das Alter und die Entwicklung des Kindes ausgerichtet ist. Im Alltag tragen Eltern dazu bei, das Kindswohl zu berücksichtigen, indem sie sich stets fragen, ob ihr Handeln im Interesse des Kindes ist oder primär eigene Interessen verfolgt. 

Kinderland Openair – Gelegenheit, gemeinsam mit Kindern Freizeit zu geniessen

Kinderschutz Schweiz setzt sich mit Präventionsarbeit aktiv für die bestmögliche Entwicklung von Kindern ein. In diesem Rahmen nimmt Kinderschutz Schweiz zum zweiten Mal in Folge an der Tournee des Kinderland Openairs teil, ein Festival für die ganze Familie: Bereits im 14. Jahr tourt es durch die Schweiz, im Gepäck ein abwechslungsreiches Programm für Kinder von 2 bis 12 Jahren. Künstler wie Marius & die Jagdkapelle, Ueli Schmezer oder Christian Schenker & Grüüveli Tüüfeli versprechen einen kunterbunten Nachmittag. Es wird aber nicht nur Musik geboten, sondern auch Geschicklichkeitsspiele, Hüpfburgen, Basteleien, Kinder-Schminken und weitere Erlebnisse, die für Jung und Alt etwas bieten.

Kinderschutz Schweiz nutzt die Gelegenheit, um Eltern auf das Kursangebot „Starke Eltern – Starke Kinder® aufmerksam zu machen. Dieser Kurs vermittelt Eltern Wissen zur kindlichen Entwicklung und trägt zu einem positiven, gewaltfreien und partizipativen Erziehungsstil bei. Am Stand können Eltern und Kinder gemeinsam spielen, oder Eltern können sich mit Kursleitenden zu Familien- und Erziehungsthemen austauschen.