Kindesschutz in Zeiten des Coronavirus

Seit Mitte März ist nichts mehr, wie es einmal war. Wegen der Corona-Pandemie steht das öffentliche Leben still, die allgemeine Verunsicherung ist gestiegen. Die Kinder müssen seit den Schulschliessungen zu Hause lernen. Die Eltern bleiben im Homeoffice und versuchen, den unverminderten Ansprüchen von Arbeit und Familie auf engem Raum zu entsprechen. Der Ausgleich durch organisierte Freizeitbeschäftigungen ist weggefallen. Kurz: Während der Druck steigt, sind die Familien stark auf sich selbst angewiesen. Externe Hilfen, Auffangnetze oder Entlastungsmöglichkeiten fallen zum grossen Teil weg. Fachleuten gehen übereinstimmend davon aus, dass die aktuelle Situation zu einem Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt und somit zu mehr gewaltbetroffenen Kindern führen wird.

Gewaltfrei miteinander – auch in Krisensituationen

Ein gewaltfreies Miteinander ist möglich. Gerade in Zeiten, in denen der Familienalltag vor allem zu Hause stattfindet, ist es zum Schutz unserer Kinder wichtig, der Gewalt keine Chance zu geben. Es gibt immer eine Alternative. Wir haben vier starke Ideen für schwere Zeiten:

1. Hände waschen

Das warme Wasser beruhigt das vegetative Nervensystem und gibt Ihnen wieder mehr Ruhe. Gleichzeitig schützen Sie sich damit vor COVID-19.

2. Den Atem kontrollieren

Bevor Sie die Fassung verlieren, konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung: 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden Luft anhalten und 8 Sekunden ausatmen. Atmen Sie dabei aber nicht anderen Menschen ins Gesicht.

3. In Bewegung bleiben

Schon eine halbe Stunde Bewegung ohne Kinder hilft, den Alltagsstress zu vergessen. Besonders Ausdauersport eignet sich dafür. Zudem stärken Sie damit Ihr Immunsystem.

4. Social Distancing

Bei Streit einfach mal den Raum verlassen, Distanz schaffen und durchatmen. Zählen Sie bis zehn oder denken Sie an etwas Schönes. So vergessen Sie auch die Corona-Krise für einen Augenblick.

Unter den «Ideen für den neuen Familienalltag» finden Sie weitere Inputs zu Erziehungsfragen und Möglichkeiten, um der Gewalt keine Chance zu geben. Vertiefte Informationen zur häuslichen Gewalt und zur gewaltfreien Erziehung finden Sie bei den «Informationen für Familien rund um das Thema Gewalt». Wir verstehen unter gewaltfreier Erziehung mehr als das Fehlen von Gewalt. Bei Kinderschutz Schweiz steht dies für eine entwicklungsfördernde und anleitende Erziehung. Um den Alltag mit Kindern zu meistern, stellen wir unter «Weitere Informationen» Links zu Blogs und Websites mit inspirierenden Hinweisen zur Verfügung.

Das Wohl der Kinder bei allen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus berücksichtigen

Kinderschutz Schweiz ist sehr erfreut darüber, dass der Bundesrat bisher von einer allgemeinen Ausgangssperre abgesehen hat. Kinder haben gerade jetzt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Spiel und Bewegung im Freien. Sie brauchen in dieser verunsichernden Zeit den Halt durch Eltern und Freunde. Weitgehende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Kindern beeinträchtigen nicht nur das physische und psychische Wohlbefinden, sie führen auch zu einem erhöhten Risiko von Gewalterfahrung innerhalb der Familie. Dies ist fatal, denn mit jeder zusätzlichen Einschränkung der Kontakte zur Aussenwelt verringern sich die Chancen des Kindes, dass sein stilles Leiden gehört und entsprechend gehandelt wird.