Kinder psychisch belasteter Eltern

Die psychische Erkrankung eines Elternteils stellt für ein Kind eine grosse Belastung dar. Es ist gefährdet, körperliche oder psychische Gewalt und Vernachlässigung zu erfahren. Es leidet unter Ängsten und Schuldgefühlen, übernimmt oft viel Verantwortung und läuft Gefahr, letztlich selbst krank zu werden.

Rund jede vierte Person durchlebt im Verlauf ihres Lebens eine ernsthafte psychische Krise. Oftmals haben die erkrankten Menschen eigene Kinder. Bis anhin standen diese Kinder selten im Fokus der Aufmerksamkeit, obwohl seit Langem bekannt ist, dass das Zusammenleben mit einem psychisch erkrankten Elternteil ein beträchtliches Risiko für einen ungünstigen Entwicklungsverlauf darstellt.

Entwicklungs- und Erkrankungsrisiken betroffener Kinder

Die psychische Erkrankung eines Elternteils kann zu unberechenbaren Reaktionen und zu unverständlichen Verhaltensweisen führen, die beim Kind Angst auslösen. Die Eltern-Kind-Beziehung gerät aus den Fugen: Nichts ist mehr berechenbar, nichts mehr, wie es einmal war. Als besonders belastend und negativ für die Entwicklung scheint die emotionale Unerreichbarkeit des erkrankten Elternteils zu sein.

Auch wenn die Auswirkungen auf die Kinder je nach Art, Ausprägung und Verlauf der elterlichen Erkrankung sowie in Abhängigkeit weiterer Faktoren unterschiedlich sind, haben alle betroffenen Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko, selber Symptome mit Krankheitswert zu entwickeln. Dies können beispielsweise emotionale oder soziale Probleme, aggressive oder andere Verhaltensauffälligkeiten sowie Konzentrationsprobleme und schulische Leistungsschwierigkeiten sein.

Kindswohlgefährdung

Kinder psychisch erkrankter Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, vom erkrankten Elternteil körperlich und/oder psychisch misshandelt oder körperlich bzw. emotional vernachlässigt zu werden.

Nicht selten übernehmen Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind, Rollen und Aufgaben der Erwachsenen (sog. Parentifizierung). Ältere Geschwister kümmern sich beispielsweise in einem umfassenden Ausmass um jüngere, besorgen den Haushalt, kochen Mahlzeiten oder fungieren nicht selten als Partnerersatz, werden zur /zum “Vertrauten“, zum Freund bzw. zur Freundin, die zuhört, berät und begleitet.

Das Kind begleiten und darüber reden

Es ist zentral, dass der andere Elternteil oder eine andere verlässliche Bezugsperson dem Kind besondere Zuwendung, Schutz und Geborgenheit gibt, mit ihm auf altersgerechte Weise offen über die Erkrankung des Vaters oder der Mutter spricht und seine Fragen und Ängste ernst nimmt.

Kinderschutz Schweiz engagiert sich dafür, dass Kinder von Eltern mit einer psychischen Erkrankung stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen:

Eine Tagung zum Thema fand im April 2015 im Kongresshaus Biel statt. Im Zusammenhang mit der Tagung ist auch eine Dokumentation von Praxisangeboten für Kinder psychisch belasteter Eltern entstanden.

Ein internationaler Kongress zum Thema „psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive", an dem es auch Beiträge zum Thema „Kinder psychisch belasteter Eltern geben wird“, fand vom 17. bis 20. August 2016 im Congress Center Basel statt.