20 Jahre UNO-Kinderrechtskonvention in der Schweiz: Zum Beispiel Kinderrechte im Alltag und Kinder als eigenständige Rechtsträger

Vor 20 Jahren hat die Schweiz die UNO-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Sie ist ein rechtlich bindendes Instrument und definiert Kinder als eigenständige Rechtsträger. Darin enthalten sind allgemeine Menschenrechte, wie etwa das Recht auf Bildung und Gesundheit, aber auch spezifische Rechte zum besonderen Schutz, zur Förderung und Mitwirkung von Kindern. Was hat die Konvention in der Schweiz bewirkt? Wo steht die Schweiz in der Umsetzung dieser Rechte? Kinderschutz Schweiz zeigt von Februar bis November jeden Monat anhand eines Themas auf, wie Kinderrechte in der Schweiz verankert sind und stellt vor, was wir dazu tun. Im Februar: die Beiträge zu den Kinderrechten in den Elternbriefen von Pro Juventute zum Thema Kinderrechte im Alltag und Kinder als eigenständige Rechtsträger.

Kinderrechte im Alltag und Kinder als eigenständige Rechtsträger

Die Pro Juventute Elternbriefe begleiten Mütter und Väter durch die ersten sechs Lebensjahre ihres Kindes. Die von der Stiftung Kinderschutz Schweiz erarbeiteten Beiträge zu den Kinderrechten zeigen anhand von Beispielen und Erklärungen deren Bezüge zum Familienalltag auf.

Kinder als eigenständige Rechtsträger

Die Kinderrechtskonvention basiert auf dem Prinzip, dass Kinder eigenständige Akteure mit eigenen Rechten und einer unabhängigen Sichtweise sind. Gleichzeitig wird in der Kinderrechtskonvention der Familie eine grosse Bedeutung beigemessen. Die Bedeutsamkeit der Familie und die Eigenständigkeit der Kinder stellen keinen Widerspruch dar, sondern zeigen, welche Rolle die Eltern gegenüber den Kindern einnehmen. Eltern haben die grosse Aufgabe, ihre Kinder zu jedem Zeitpunkt als Individuen mit eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen, Bedürfnissen und Wünschen wahrzunehmen. Entsprechend der sich stetig entwickelnden Fähigkeiten und Bedürfnisse ihrer Kinder, verändert sich das Elternsein im Laufe der Kindheit.

Kinder brauchen
verlässliche Bezugspersonen

In der Kinderrechtskonvention wird die Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft anerkannt. Form und Zusammensetzung der Familie sind dabei nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, dass Kinder verlässliche Bezugspersonen haben, die für sie da sind, sie in ihrer Entwicklung fördern, unterstützen, anregen und mitwirken lassen.

Das Kindeswohl

Dabei sollte das Kindeswohl stets das Grundanliegen der Eltern sein (Artikel 3 Kinderrechtskonvention). In einem ganzheitlichen Sinne umschreibt dieser Begriff das Wohlergehen eines Kindes. Was dem Kindeswohl am besten entspricht, ist je nach Situation unterschiedlich und es müssen verschiedene Elemente berücksichtigt werden wie bspw. die individuellen Eigenschaften des Kindes oder sein Alter. Grundsätzlich geht es darum, das Kind ins Zentrum der Überlegungen zu stellen.

Das Recht auf Leben und bestmögliche Entwicklung

Ohne das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung (Artikel 6 Kinderrechtskonvention) sind alle anderen Rechte bedeutungslos. Eltern kommt die wichtige Aufgabe zu, die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu unterstützen. Entwicklung ist in der Kinderrechtskonvention als Prozess definiert, der zum Ziel hat, alle anderen Rechte der Kinderrechtskonvention zu verwirklichen. Demzufolge umfasst Entwicklung die Persönlichkeit, die Begabungen, die seelischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes sowie sein materielles Wohlbefinden.

Rechte für Alle

Aufgrund ihrer besonderen Verletzlichkeit und ihrer Abhängigkeit von Erwachsenen haben Kinder ein Recht auf Schutz vor jeglicher Art von Diskriminierung (Artikel 2 Kinderrechtskonvention). Es bedeutet, dass alle anderen in der Konvention festgeschriebenen Rechte, wie das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung, das Recht auf Bildung, das Recht auf Spiel und Freizeit oder das Recht auf Schutz vor Gewalt ausnahmslos für alle Kinder gelten.

Mitreden, mitmachen, mitbestimmen

Kinder haben nicht nur ein Recht auf Schutz und Förderung, sondern auch auf Mitwirkung (Artikel 12 Kinderrechtskonvention). Das Recht auf Mitwirkung bedeutet nicht, dass Eltern jeden Wunsch Ihres Kindes erfüllen sollen. Vielmehr heisst es, die Meinung eines Kindes angemessen und entsprechend seines Alters und seiner Reife zu berücksichtigen. Das Recht auf Partizipation ist in mehreren Artikeln der Kinderrechtskonvention enthalten (Artikel 12-17). 

Sie können die einzelnen Beiträge im PDF-Format herunterladen. Gedruckte Exemplare bestellen Sie über den Shop von Pro Juventute.