20 Jahre UNO-Kinderrechtskonvention in der Schweiz: Zum Beispiel das Recht auf gewaltfreie Erziehung

Vor 20 Jahren hat die Schweiz die UNO-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Sie ist ein rechtlich bindendes Instrument und definiert Kinder als eigenständige Rechtsträger. Darin enthalten sind allgemeine Menschenrechte, wie etwa das Recht auf Bildung und Gesundheit, aber auch spezifische Rechte zum besonderen Schutz, zur Förderung und Mitwirkung von Kindern. Was hat die Konvention in der Schweiz bewirkt? Wo steht die Schweiz in der Umsetzung dieser Rechte? Kinderschutz Schweiz zeigt von Februar bis November jeden Monat anhand eines Themas auf, wie Kinderrechte in der Schweiz verankert sind und stellt vor, was wir dazu tun. Im April: Der No Hitting Day und das Recht auf gewaltfreie Erziehung.

Das Recht auf Schutz vor Gewalt gilt auch in der Familie

Kinder haben gemäss Artikel 19 der Kinderrechtskonvention ein Recht auf Schutz vor Gewalt, die den Schutz „vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs“ umfasst. Dazu gehören auch Körperstrafen und andere erniedrigende Massnahmen, die gegenüber Kindern in der Erziehung angewendet werden. Verantwortlich für die Durchsetzung des Rechts auf ein gewaltfreies Aufwachsen sind Erziehungsberechtigte und Betreuungspersonen in jedem Umfeld des Kindes, auch im familiären. Mit dem No Hitting Day wird weltweit jährlich am 30.April auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass Gewalt in der Erziehung auch in der Familie keinen Platz haben darf.

Die Umsetzung des Rechtes auf Schutz vor Gewalt in der Erziehung in der Schweiz

Die Schweiz hat sich mit der Unterzeichnung der Konvention dazu verpflichtet, gesetzliche und andere Massnahmen zu ergreifen, um die Kinder vor jeglichen körperlichen und psychischen Misshandlungen zu schützen. Trotz dieser internationalen Verpflichtung hat sich die Schweiz im Gegensatz zu 31 anderen europäischen Ländern noch nicht zur Setzung eindeutiger Normen durchgerungen gegen Gewalt jeglicher Form in der Erziehung. Für diesen Umstand wurde die Schweiz vom UNO-Kinderrechtsausschuss bereits mehrfach gerügt, letztmals im Jahre 2015.

Welchen Beitrag leistet Kinderschutz Schweiz zur gewaltfreien Erziehung?

Um auf diese fehlende Rechtsnorm aufmerksam zu machen, bezieht Kinderschutz Schweiz seit mehreren Jahren auf politischer Ebene Stellung in Form von Positionspapieren, Parlamentsinformationen oder Factsheets. Die Stiftung setzt sich für die Implementierung eines Gesetzes im Zivilgesetzbuch ein, das diese Lücke zu schliessen vermag.

Auf der Interventionsebene stellt Kinderschutz Schweiz zudem Fachpersonen Leitfäden zur Verfügung, um Kindesmisshandlungen möglichst frühzeitig zu erkennen und angemessen handeln zu können.

Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist die Prävention. Mit dem bewährten Elternbildungskurs «Starke Eltern – Starke Kinder» trägt Kinderschutz Schweiz dazu bei, Eltern alternative Wege in der Erziehung aufzuzeigen, die einen positiven, gewaltfreien und partizipativen Erziehungsstil unterstützen.

No Hitting Day –Aktionstag gegen Gewalt in der Erziehung

Alljährlich nimmt Kinderschutz Schweiz den internationalen Aktionstag gegen Gewalt in der Erziehung zum Anlass, um am 30. April die Öffentlichkeit auf das Recht auf Schutz vor Gewalt in der Erziehung aufmerksam zu machen. Neben der politischen Arbeit und der Prävention, ist die Sensibilisierung von Fachpersonen wie auch der breiteren Bevölkerung nötig, um klare gesellschaftliche Werte und Normen zu entwickeln, die Gewalt gegen Kinder in jeder Form zurückweisen. Denn Gewalt an Kindern ist nie eine Lösung und in keiner Form akzeptabel.