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Zahlen und Fakten

Statistiken und hohe Dunkelziffern

Wie viele Kinder sind von sexueller Ausbeutung betroffen?

Das Ausmass sexueller Ausbeutung von Kindern ist in absoluten Zahlen nicht bekannt. Die so genannte Dunkelziffer solcher Delikte ist sehr hoch. Gewiss ist: Es sind viele Mädchen und Jungen betroffen. Das Ausmass sexueller Ausbeutung von Kindern ist in absoluten Zahlen nicht bekannt. Die so genannte Dunkelziffer solcher Delikte ist sehr hoch. Gewiss ist: Es sind viele Mädchen und Jungen betroffen. Heute wird angenommen, jede dritte bis vierte Frau und jeder siebte bis zehnte Mann habe in seiner Kindheit sexuelle Ausbeutung erlebt. Darin eingerechnet sind auch einmalige Übergriffe und solche ohne Körperkontakt, wie etwa exhibitionistische Handlungen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind Mädchen, ein Drittel Jungen. Am häufigsten betroffen sind jedoch Mädchen und Jungen im Alter von etwa sieben bis zwölf Jahren. Ein Teil dieser Kinder und Jugendlichen erlebt diese Form von Gewalt nur einmal. Die anderen Mädchen und Jungen müssen sexuelle Ausbeutung wiederholt erdulden, manchmal über Jahre hinweg. Dies ist umso eher der Fall, je näher der Täter oder die Täterin einem Opfer steht. 

Zwei Statistiken und eine hohe Dunkelziffer

Bundesweit geben zwei Statistiken Einblick in die gesamtschweizerische Anzahl von Fällen sexueller Gewalt: die Polizeiliche Kriminalstatistik der Schweiz PKS (Tatverdächtigenstatistik) sowie die Strafurteilsstatistik des Bundes. Zusätzlich gibt die Opferhilfestatistik Auskunft über die Anzahl von Personen, die eine Beratung aufgrund von sexueller Gewalterfahrung in Anspruch genommen haben. 

Opferhilfestatistik zeigt erschreckende Zahlen

Im Jahr 2006 wurden 3'548 Personen wegen strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität angezeigt. Die Zahl ist über die letzten 5 Jahre stabil geblieben. Wie viele davon Verzeigungen aufgrund sexueller Handlungen mit Kindern sind wird von der polizeilichen Kriminalstatik nicht separat erfasst. Tatsächlich verurteilt wurden 1'537 Erwachsene, davon 364 wegen sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187). 97,5 Prozent davon waren männlich, 89,3 Prozent wurden mit einer Freiheitsstrafe bestraft. 

Die Opferhilfestatistik zeigt auf, dass sich die Anzahl der Beratungen für Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexuellen Handlungen wurden, seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt hat. Sie ist gestiegen von 1’779 auf 3'761 im Jahr 2006. Von diesen 3'761 Fällen bestand bei knapp 85 Prozent eine Beziehung zwischen dem Opfer und dem vermuteten Täter. Dabei gehören 53 Prozent der vermuteten Täter zur Familie des Opfers und 32 Prozent zu dessen sozialen Umfeld. 

Nur die Spitze des Eisbergs

Diese Statistiken zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Sexuelle Gewalt ist eine Gewaltform mit einer riesigen Dunkelziffer. Das heisst, nur die wenigsten Fälle kommen ans Licht. Um das Ausmass der Problematik in der Bevölkerung tatsächlich zu kennen, braucht es repräsentative Dunkelfeldstudien. In der Schweiz wurden bisher nur zwei grössere Dunkelfeldstudien zur Erfassung der Prävalenz sexueller Gewalt an Kindern durchgeführt. Auf diese Zahlen beruft sich die Stiftung Kinderschutz Schweiz: 

Die von Halpérin et al. 1996 in Genf an 1130 Personen zwischen 13 und 17 Jahren durchgeführte Befragung hat ergeben: 34 Prozent der weiblichen Jugendlichen und 11 Prozent der männlichen Jugendlichen haben mindestens einen sexuellen Missbrauch vor dem 16. Geburtstag erlebt. Davon sind 60,4 Prozent bei den Mädchen und 30 Prozent bei Jungen mit Körperkontakt. Über ein Drittel (35 Prozent) der Missbrauchenden waren zur Zeit ihres Übergriffs Minderjährig (unter 18 Jahre) (Halpérin et al., 1996). Die repräsentative Befragung von Niederberger (1998) hat ergeben: von 980 Frauen (zwischen 20 und 40 Jahren) in der Deutschschweiz haben  fast 40 Prozent der Frauen vor dem 16. Altersjahr eine ausbeuterische Handlung oder Annäherung erfahren, die als sexueller Übergriff einzustufen ist.  

Mythos Fremdtäter 

90% der Übergriffe geschehen durch Eltern, Verwandte oder Bekannte des Kindes und werden häufig nicht aufgedeckt – auch weil der Mythos des Fremdtäters die Wahrnehmung prägt - oder bestraft, und die Opfer erhalten keine Betreuung (Bericht “Kindesmisshandlung in der Schweiz”, 1992, S. 73). Gemäss Schätzungen gehen 84% der Fälle von Inzest durch Familienmitglieder auf Übergriffe von Vätern an Töchtern zurück. (Ziegler, 2005)