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Sexuelle Ausbeutung von Kindern
Sexuelle Ausbeutung
Auf dieser Website finden Sie Informationen zum Thema «Sexuelle Gewalt an Kindern», Stand 2008, zusammengestellt von der Stiftung Kinderschutz Schweiz und der Fachstelle zur Präventionn sexueller Ausbeutung von Mädchen und Jungen, Limita Zürich.
Was ist sexuelle Ausbeutung von Kindern?
Als sexuelle Ausbeutung von Kindern wird jede Handlung einer erwachsenen Person mit oder an einem Kind (oder an einer Jugendlichen, einem Jugendlichen) bezeichnet, die der sexuellen Erregung oder Befriedigung der erwachsenen Person dient. Diese ist einem Mädchen oder Jungen immer sowohl geistig als auch körperlich überlegen. Genau diese Machtposition und die Abhängigkeit des Kindes nutzt ein Täter oder eine Täterin zur Befriedigung eigener Bedürfnisse aus. Häufig sind dies Bedürfnisse nach Macht und Dominanz, die mit dem Mittel der Sexualität befriedigt werden.
Was gilt als sexuelle Ausbeutung?
Sexuelle Ausbeutung beinhaltet ein ganzes Spektrum von sexuellen Handlungen mit oder an einem Kind, an einer jugendlichen Person oder an einem Menschen, der auf den Schutz des Täters oder der Täterin angewiesen ist. Ein Spektrum, das von sexuellen übergriffen ohne Körperkontakt bis hin zu den schwersten Formen von oraler, vaginaler oder analer Vergewaltigung reicht.
Als sexuelle Ausbeutung ist zum Beispiel zu bezeichnen, wenn eine erwachsene (oder auch jugendliche) Person:
- mit einem Kind ein Pornovideo betrachtet oder es dazu zwingt, sich für Pornoaufnahmen nackt auszuziehen;
- ein Mädchen oder einen Jungen dazu zwingt, ihr beim Masturbieren oder Geschlechtsverkehr zuzusehen;
- sich daran erregt, ihre Geschlechtsteile in der Öffentlichkeit zu zeigen (Exhibitionismus);
- sich am Körper eines Mädchen oder Jungen reibt, um sich sexuell zu erregen oder zu befriedigen;
- ein Mädchen oder einen Jungen dazu zwingt, ihre Genitalien zu berühren oder es dazu bringt, sich von ihm an Scheide und Brust (Mädchen) oder an Penis und Po (Junge) berühren zu lassen;
- ein Mädchen oder einen Jungen zu oralem, analem oder vaginalem Geschlechtsverkehr zwingt oder überredet.
Es gibt viele verschiedene Formen und Facetten sexueller Gewalt, und nicht immer ist es für Aussenstehende eindeutig ersichtlich, ob es sich um einen Fall von sexueller Ausbeutung handelt oder nicht. Häufig beginnt sexuelle Ausbeutung beispielsweise mit scheinbar zufälligen Berührungen an Brust oder Genitalien. Oder beim Betrachten von Videos, Filmclips im Internet usw. Viele Eltern und andere Erwachsene, die Kinder und Jugendliche betreuen, sind deshalb verunsichert: Wo hört Zärtlichkeit auf, wo beginnt die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen? Diese Grenze lässt sich deutlich ziehen, und sie erklärt sich durch die Absicht des Täters oder der Täterin: Sexuelle Ausbeutung entsteht nicht fliessend aus dem zärtlichen Körperkontakt mit einem Kind. Vielmehr planen die Täter ihr Vorgehen, sie suchen und arrangieren Gelegenheiten dazu: Sexuelle Ausbeutung beginnt dort, wo sich Erwachsene bewusst am Körper eines Kindes erregen, befriedigen oder befriedigen lassen.
In welchem Umfeld wird sexuelle Ausbeutung ausgeübt?
Sexuelle Ausbeutung kommt überall vor, unabhängig von ethnischer Herkunft, Bildung und sozialer Schicht und religiöser Zugehörigkeit einer Familie. Zurückführen lässt sich sexuelle Ausbeutung oftmals auf kinder- und frauenfeindliche Einstellungen, auf die Ansicht etwa, Kinder seien Männern untergeordnet, Männer müssten in der Sexualität dominieren und hätten ein Recht auf uneingeschränkte Bedürfnisbefriedigung. Sexuelle Gewalt übt meist nicht der «böse fremde Mann» aus, sondern es sind Väter, Stiefväter, selten Mütter oder Stiefmütter, Brüder, Verwandte, gute Bekannte oder Vertrauenspersonen wie Pfarrer, Trainer, Lehrpersonen, Betreuende. Bei Jungen kommen die Täter oder Täterinnen überwiegend aus deren nahem sozialen Umfeld und seltener aus der Familie als bei Mädchen. Bei etwa einem Viertel sind die Täter Fremde. Die Täter sind in den meisten Fällen männlich, auch wenn sie Jungen ausbeuten. Sexuelle Gewalt üben jedoch auch Frauen aus. Heute wird davon ausgegangen, dass bis etwa 10% aller sexueller Gewalthandlungen gegen Mädchen von Frauen begangen werden, bei Jungen liegt der Anteil der weiblichen Täterinnen bei bis zu 25%.
Welche Folgen kann sexuelle Ausbeutung haben?
Im Gegensatz zur körperlichen Gewalt, die meist Ausdruck einer momentanen überforderung und mangelnder Aggressionskontrolle der erwachsenen Person ist und Folge eines unkontrollierten Wutausbruchs sein kann, wird sexuelle Gewalt kaum ungeplant oder spontan ausgeübt. Erwachsene, die sexuelle Gewalt ausüben, haben klare Strategien, wie sie auf ein Kind zugehen wollen, wie sie sein Vertrauen gewinnen und es gefügig machen können. Deshalb bedeutet sexuelle Ausbeutung für ein betroffenes Kind immer einen massiven Vertrauensbruch und eine tiefe Verletzung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.
Betroffene Kinder leiden nicht nur unter einem eigentlichen Chaos der Gefühle, sondern auch unter vielfachen Ängsten. Zum Beispiel fürchten sie sich vor der Wiederholung der sexuellen Gewalt, aber auch davor, dass dem Täter oder der Täterin etwas zustossen werde, falls sie darüber redeten. Oder sie befürchten zu Recht, die Aufdeckung der sexuellen Gewalt stürze die ganze Familie in eine tiefe Krise, ganz besonders, wenn der Täter oder die Täterin aus der Familie stammt. Diese Ängste und Gefühle von Isolation, Ohnmacht und Schuld führen nebst dem Schweigegebot des Täters oder der Täterin dazu, dass Kinder nicht oder nur verschlüsselt über die erfahrene Gewalt reden. Sie befürchten, es werde ihnen nicht zugehört oder nicht geglaubt – oder sie würden beschuldigt, «mitgemacht“ zu haben, und dafür bestraft.
Wie kann man sexuelle Ausbeutung von Kindern erkennen?
Kinder, die sexuelle Ausbeutung erleiden, machen auf mannigfache Art auf die erfahrene Gewalt aufmerksam. Jedes Mädchen und jeder Junge versucht auf eine ganz persönliche Weise, sich gegen die sexuelle Ausbeutung zu wehren. Eindeutige Signale oder auch Symptome gibt es kaum, sie sind so vielfältig wie die Kinder selbst und hängen von ganz verschiedenen Faktoren ab, etwa vom Alter, Geschlecht und von der Persönlichkeit eines Kindes. Nicht jede Form sexueller Ausbeutung ist für jedes Kind gleich traumatisierend.
Grundsätzlich gilt: Je näher der Täter oder die Täterin einem Kind bekannt ist, je länger die sexuelle Gewalt ausgeübt wird und je intensiver sie ist, desto schwerwiegender sind die Folgen für die Betroffenen. Umgekehrt bedeutet dies, dass ein frühzeitiges Erkennen und Stoppen von sexueller Ausbeutung die Folgen für ein betroffenes Kind erheblich lindern können. Darum ist es für die Betroffenen wichtig, dass ihre Aussagen und Hinweise ernst genommen werden. Erwachsene müssen den Mut und die Bereitschaft aufbringen, hinzusehen und Verantwortung zur Beendigung der Gewalt zu übernehmen. Es ist in jedem Falle eines Verdachts oder eines konkreten Hinweises auf sexuelle Ausbeutung ratsam, die Hilfe einer Fachperson in Anspruch zu nehmen.
Weitere Informationen
Besonders ans Herz legt die Stiftung Kinderschutz Schweiz allen Interessierten und Betroffenen die Website des Schweizerischen Bündnisses zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendichen www.schau-hin.ch / www.dites-le.ch / www.dite-lo.ch.
