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Sexuelle Ausbeutung

Auf dieser Website finden Sie Informationen zum Thema «Sexuelle Gewalt an Kindern», zusammengestellt von Limita Zürich. Ausführlicher informiert Sie unsere Broschürenreihe «Gewaltfreie Erziehung» (5 Broschüren zu: Physische Gewalt, Psychische Gewalt, Sexuelle Ausbeutung, Vernachlässigung, Strukturelle Gewalt sowie eine Begleitbroschüre). Die Broschüren können bezogen werden bei Kinderschutz Schweiz in Bern info@kinderschutz.ch, Telefon 031 398 10 10. Mehr zum Thema sexuelle Ausbeutung von Kindern im Allgemeinen und im Tourismus im Besonderen: www.kinderschutz.ch/cms/de/ecpat

Was ist sexuelle Ausbeutung von Kindern?

Als sexuelle Ausbeutung von Kindern wird jede Handlung einer erwachsenen Person mit oder an einem Kind (oder an einer Jugendlichen, einem Jugendlichen) bezeichnet, die der sexuellen Erregung oder Befriedigung der erwachsenen Person dient. Diese ist einem Mädchen oder Jungen immer sowohl geistig als auch körperlich überlegen. Genau diese Machtposition und die Abhängigkeit des Kindes nutzt ein Täter oder eine Täterin zur Befriedigung eigener Bedürfnisse aus. Häufig sind dies Bedürfnisse nach Macht und Dominanz, die mit dem Mittel der Sexualität befriedigt werden.

Was gilt als sexuelle Ausbeutung?

Sexuelle Ausbeutung beinhaltet ein ganzes Spektrum von sexuellen Handlungen mit oder an einem Kind, an einer jugendlichen Person oder an einem Menschen, der auf den Schutz des Täters oder der Täterin angewiesen ist. Ein Spektrum, das von sexuellen übergriffen ohne Körperkontakt bis hin zu den schwersten Formen von oraler, vaginaler oder analer Vergewaltigung reicht. Als sexuelle Ausbeutung ist zum Beispiel zu bezeichnen, wenn eine erwachsene (oder auch jugendliche) Person:

  • mit einem Kind ein Pornovideo betrachtet oder es dazu zwingt, sich für Pornoaufnahmen nackt auszuziehen;
  • ein Mädchen oder einen Jungen dazu zwingt, ihr beim Masturbieren oder Geschlechtsverkehr zuzusehen;
  • sich daran erregt, ihre Geschlechtsteile in der Öffentlichkeit zu zeigen (Exhibitionismus);
  • sich am Körper eines Mädchen oder Jungen reibt, um sich sexuell zu erregen oder zu befriedigen;
  • ein Mädchen oder einen Jungen dazu zwingt, ihre Genitalien zu berühren oder es dazu bringt, sich von ihm an Scheide und Brust (Mädchen) oder an Penis und Po (Junge) berühren zu lassen;
  • ein Mädchen oder einen Jungen zu oralem, analem oder vaginalem Geschlechtsverkehr zwingt oder überredet.

Es gibt viele verschiedene Formen und Facetten sexueller Gewalt, und nicht immer ist es für Aussenstehende eindeutig ersichtlich, ob es sich um einen Fall von sexueller Ausbeutung handelt oder nicht. Häufig beginnt sexuelle Ausbeutung beispielsweise mit scheinbar zufälligen Berührungen an Brust oder Genitalien. Oder beim Betrachten von Videos, Filmclips im Internet usw. Viele Eltern und andere Erwachsene, die Kinder und Jugendliche betreuen, sind deshalb verunsichert: Wo hört Zärtlichkeit auf, wo beginnt die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen?

Diese Grenze lässt sich deutlich ziehen, und sie erklärt sich durch die Absicht des Täters oder der Täterin: Sexuelle Ausbeutung entsteht nicht fliessend aus dem zärtlichen Körperkontakt mit einem Kind. Vielmehr planen die Täter ihr Vorgehen, sie suchen und arrangieren Gelegenheiten dazu: Sexuelle Ausbeutung beginnt dort, wo sich Erwachsene bewusst am Körper eines Kindes erregen, befriedigen oder befriedigen lassen.

Wie viele Kinder sind von sexueller Ausbeutung betroffen?

Das Ausmass sexueller Ausbeutung von Kindern ist in absoluten Zahlen nicht bekannt. Die so genannte Dunkelziffer solcher Delikte ist sehr hoch. Gewiss ist: Es sind viele Mädchen und Jungen betroffen. Heute wird angenommen, jede vierte bis fünfte Frau und jeder zehnte bis zwölfte Mann habe in seiner Kindheit sexuelle Ausbeutung erlebt. Darin eingerechnet sind auch einmalige übergriffe und solche ohne Körperkontakt, wie etwa exhibitionistische Hand-lungen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind Mädchen, ein Drittel Jungen.

Am häufigsten betroffen sind jedoch Mädchen und Jungen im Alter von etwa sieben bis zwölf Jahren. Ein Teil dieser Kinder und Jugendlichen erlebt diese Form von Gewalt nur einmal. Die anderen Mädchen und Jungen müssen sexuelle Ausbeutung wiederholt erdulden, manchmal über Jahre hinweg. Dies ist umso eher der Fall, je näher der Täter oder die Täterin einem Opfer steht.

In welchem Umfeld wird sexuelle Ausbeutung ausgeübt?

Sexuelle Ausbeutung kommt überall vor, unabhängig von ethnischer Herkunft, Bildung und sozialer Schicht und religiöser Zugehörigkeit einer Familie. Zurückführen lässt sich sexuelle Ausbeutung oftmals auf kinder- und frauenfeindliche Einstellungen, auf die Ansicht etwa, Kinder seien Männern untergeordnet, Männer müssten in der Sexualität dominieren und hätten ein Recht auf uneingeschränkte Bedürfnisbefriedigung.

Sexuelle Gewalt übt meist nicht der «böse fremde Mann» aus, sondern es sind Väter, Stiefväter, selten Mütter oder Stiefmütter, Brüder, Verwandte, gute Bekannte oder Vertrauenspersonen wie Pfarrer, Trainer, Lehrpersonen, Betreuende. Bei Jungen kommen die Täter oder Täterinnen überwiegend aus deren nahem sozialen Umfeld und seltener aus der Familie als bei Mädchen. Bei etwa einem Viertel sind die Täter Fremde.

Die Täter sind in den meisten Fällen männlich, auch wenn sie Jungen ausbeuten. Sexuelle Gewalt üben jedoch auch Frauen aus. Heute wird davon ausgegangen, dass bis etwa 10% aller sexueller Gewalthandlungen gegen Mädchen von Frauen begangen werden, bei Jungen liegt der Anteil der weiblichen Täterinnen bei bis zu 25%.

Welche Folgen kann sexuelle Ausbeutung haben?

Im Gegensatz zur körperlichen Gewalt, die meist Ausdruck einer momentanen überforderung und mangelnder Aggressionskontrolle der erwachsenen Person ist und Folge eines unkontrollierten Wutausbruchs sein kann, wird sexuelle Gewalt kaum ungeplant oder spontan ausgeübt. Erwachsene, die sexuelle Gewalt ausüben, haben klare Strategien, wie sie auf ein Kind zugehen wollen, wie sie sein Vertrauen gewinnen und es gefügig machen können. Deshalb bedeutet sexuelle Ausbeutung für ein betroffenes Kind immer einen massiven Vertrauensbruch und eine tiefe Verletzung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

Betroffene Kinder leiden nicht nur unter einem eigentlichen Chaos der Gefühle, sondern auch unter vielfachen Ängsten. Zum Beispiel fürchten sie sich vor der Wiederholung der sexuellen Gewalt, aber auch davor, dass dem Täter oder der Täterin etwas zustossen werde, falls sie darüber redeten. Oder sie befürchten zu Recht, die Aufdeckung der sexuellen Gewalt stürze die ganze Familie in eine tiefe Krise, ganz besonders, wenn der Täter oder die Täterin aus der Familie stammt. Diese Ängste und Gefühle von Isolation, Ohnmacht und Schuld führen nebst dem Schweigegebot des Täters oder der Täterin dazu, dass Kinder nicht oder nur verschlüsselt über die erfahrene Gewalt reden. Sie befürchten, es werde ihnen nicht zugehört oder nicht geglaubt – oder sie würden beschuldigt, «mitgemacht“ zu haben, und dafür bestraft.

Wie kann man sexuelle Ausbeutung von Kindern erkennen?

Kinder, die sexuelle Ausbeutung erleiden, machen auf mannigfache Art auf die erfahrene Gewalt aufmerksam. Jedes Mädchen und jeder Junge versucht auf eine ganz persönliche Weise, sich gegen die sexuelle Ausbeutung zu wehren.

Eindeutige Signale oder auch Symptome gibt es kaum, sie sind so vielfältig wie die Kinder selbst und hängen von ganz verschiedenen Faktoren ab, etwa vom Alter, Geschlecht und von der Persönlichkeit eines Kindes.

Nicht jede Form sexueller Ausbeutung ist für jedes Kind gleich traumatisierend. Grundsätzlich gilt: Je näher der Täter oder die Täterin einem Kind bekannt ist, je länger die sexuelle Gewalt ausgeübt wird und je intensiver sie ist, desto schwerwiegender sind die Folgen für die Betroffenen. Umgekehrt bedeutet dies, dass ein frühzeitiges Erkennen und Stoppen von sexueller Ausbeutung die Folgen für ein betroffenes Kind erheblich lindern können. Darum ist es für die Betroffenen wichtig, dass ihre Aussagen und Hinweise ernst genommen werden. Erwachsene müssen den Mut und die Bereitschaft aufbringen, hinzusehen und Verantwortung zur Beendigung der Gewalt zu übernehmen. Es ist in jedem Falle eines Verdachts oder eines konkreten Hinweises auf sexuelle Ausbeutung ratsam, die Hilfe einer Fachperson in Anspruch zu nehmen.

Was tun, um ein Kind vor sexueller Ausbeutung zu schützen?

1. Klären Sie das Kind auf

Ein wichtiger Schritt zur Verhinderung sexueller Ausbeutung ist, Mädchen und Jungen aufzuklären – über ihren Körper, über die mensch-liche Sexualität und über alle damit verbundenen Aspekte. Ein Kind, das keine Sprache für Sexualität hat und Körperteile und Berührungen nicht benennen kann, wird auch nicht über sexuelle Ausbeutung reden können. Wichtig ist, dass die positiven, freudvollen As-pekte der Sexualität und eine bejahende und lustvolle Einstellung zum eigenen Körper im Vordergrund stehen. Wer seinen Körper kennt und lieb hat, dem ist es auch eher möglich, «Nein« zu sagen, wenn eine Grenze überschritten wird. Mädchen und Jungen muss vermittelt werden, dass sie in der Sexualität ein Recht auf Selbstbestimmung haben und einen sorgsamen Umgang mit eigenen und fremden Grenzen pflegen sollen.

2. Informieren Sie das Kind

Es ist von grosser Wichtigkeit, Mädchen und Jungen über sexuelle Ausbeutung zu informieren. Dies soll dem Alter und Entwicklungsstand eines Kindes entsprechend geschehen. Kinder müssen in ihrer Position gestärkt, über ihre Rechte aufgeklärt werden, und sie sind über Handlungsmöglichkeiten und Hilfsangebote zu informieren. Liegt der Schwerpunkt der Informationen weniger auf Gefahren und Bedrohungen, sondern vielmehr auf den Handlungsmöglichkeiten und Rechten der Kinder, so erzeugen diese auch weniger Angst. Gut informierte, unabhängige und selbstsichere Kinder sind weniger gefährdet, Opfer sexueller Ausbeutung zu werden als angepasste und emotional unsichere Mädchen und Jungen.

Natürlich reicht es nicht, Kinder lediglich einmal davor zu warnen, was bei sexueller Ausbeutung geschehen könnte. Vielmehr sollte das Thema in all seinen Facetten im Alltag präsent sein und immer wieder angesprochen werden.

Im Folgenden finden Sie diese sieben Ansatzpunkte, formuliert als direkte Botschaften an Kinder und Jugendliche:

Sieben Botschaften zur Prävention sexueller Ausbeutung

1. Dein Körper gehört dir!

Du bist wichtig und dein Körper ist einzigartig und wertvoll. Du kannst stolz auf ihn sein. über deinen Körper entscheidest du allein, und du hast das Recht zu bestimmen, wie, wann, wo und von wem du angefasst werden möchtest.

Ein gutes Körperbewusstsein bildet die Grundlage für ein gutes Selbstbewusstsein. Ein sicheres und selbstbewusstes Körpergefühl hilft, Grenzverletzungen klarer wahrzunehmen und sich dagegen zu wehren.

2. Deine Gefühle sind wichtig!

Du kannst deinen Gefühlen vertrauen. Es gibt angenehme Gefühle, da fühlst du dich gut und wohl. Es gibt aber auch solche, die sind unangenehm. Du hast das Recht, komische oder unangenehme Gefühle zu haben und kannst ihnen vertrauen. Sie sagen dir, dass etwas nicht stimmt und dir nicht gut tut. Du darfst deine Gefühle ausdrücken und mit uns darüber sprechen, auch wenn es schwierige Gefühle sind und du glaubst, dass sie nicht zu einem Mädchen oder einem Jungen passen.
Kinder spüren sehr genau, wenn ihnen etwas unangenehm ist oder eigenartig vorkommt. Sie sollen darin bestärkt werden, ihre Gefühle wahrzunehmen, sie zu äussern und ihnen zu vertrauen. Mädchen und Jungen, die lernen, auf ihre Empfindungen zu achten und sie als Massstab für ihr Handeln zu nehmen, lassen sich weniger leicht zu sexuellen Handlungen überreden.

3. Angenehme und unangenehme Berührungen

Es gibt Berührungen, die sich gut anfühlen und die richtig glücklich machen. Solche Berührungen sind für jeden Menschen wichtig. Es gibt aber auch solche, die unangenehm sind, dich verwirren, dir Angst machen oder sogar weh tun. Solche Berührungen darfst du zurückweisen. Kein Erwachsener hat das Recht, seine Hände unter deine Kleider zu stecken und dich an der Scheide, am Penis, am Po oder an deiner Brust zu berühren. Es gibt Erwachsene, die möchten von dir so berührt werden, wie du es nicht willst, zum Beispiel an ihren Geschlechtsteilen. Niemand hat das Recht, dich dazu zu überreden oder zu zwingen, auch wenn du diesen Menschen kennst und gern hast.

Das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper ist zentral in der Prävention sexueller Ausbeutung. Die Information, dass ein Kind sich Berührungen, die ihm unangenehm sind, nicht gefallen lassen muss, sollte Anlass sein, sexuelle Ausbeutung konkret zu benennen. Es gibt allerdings Körperkontakte, die lassen sich nicht vermeiden, so z.B. die ärztliche Untersuchung.

4. Das Recht auf Nein

Du hast das Recht, «Nein» zu sagen. Wenn dich jemand gegen deinen Willen anfassen will oder Dinge von dir verlangt, die du nicht tun willst, dann darfst du Nein sagen und dich wehren. Lass uns gemeinsam überlegen, in welchen Situationen es sinnvoll ist, nicht zu gehorchen und mit welchen Mitteln du dich wehren kannst.

Sexuelle Ausbeutung ist eine Grenzüberschreitung und Neinsagen ist eine notwendige Grenzziehung. Mädchen und Jungen sollen darin bestärkt werden, eigene wie auch fremde Grenzen zu spüren, ernst zu nehmen und zu respektieren.

5. Es gibt gute und schlechte Geheimnisse

Es gibt gute Geheimnisse, die Freude machen und spannend sind, zum Beispiel wenn du jemanden mit einem Geschenk überraschen willst. Schlechte Geheimnisse bedrücken und machen Angst, sie fühlen sich schwer und unheimlich an. Solche Geheimnisse, die dir ein ungutes Gefühl geben, sollst du unbedingt weiter sagen, auch wenn du versprochen hast, es nicht zu tun. Das hat nichts mit Petzen zu tun.

Der Geheimhaltungsdruck ist ein zentraler traumatisierender Faktor bei sexueller Ausbeutung. Gleichzeitig ist er Ausdruck des Wissens des Täters um die Strafbarkeit seiner Handlungen. Die Unterscheidung in gute und schlechte Geheimnisse soll Kindern helfen, sich diesem Druck zu widersetzen, und dient der Aufdeckung von tabuisierten Themen.

6. Das Recht auf Hilfe

Wenn dich ein schlechtes Geheimnis belastet oder du etwas Unangenehmes erlebt hast, bitte ich dich, es mir oder einer anderen Person, der du vertraust, zu erzählen. Dann können wir dir helfen. Höre bitte nicht auf zu erzählen, bis dir jemand glaubt. Lass uns gemeinsam überlegen, mit welchen Menschen du über «schwierige» Dinge reden kannst.

Gut informierte und selbstbewusste Kinder können sich unter Umständen gegen die Anfänge von sexueller Ausbeutung wehren. Dennoch kann jedes Kind in eine Situation kommen, in der es Hilfe braucht. Wichtig für Mädchen und Jungen ist der Hinweis, dass sie in Schwierigkeiten Hilfe suchen und mit einer Person ihrer Wahl über ihre Probleme reden sollen.

7. Du bist nicht schuld!

Wenn du es erlebt hast oder es dir passiert, dass ein Erwachsener oder ein älteres Kind dir sexuelle Gewalt zufügt, so bist du nicht daran schuld. Auch dann nicht, wenn du versucht hast, dich zu wehren. Es gibt Erwachsene, die übergehen trotzdem deine Grenzen. Vielleicht konntest du dich auch nicht wehren, weil deine Angst zu gross war. In keinem Fall bist du an der Ausbeutung schuld, egal was der Täter oder die Täterin behauptet. Die erwachsene Person trägt immer die Verantwortung für das, was sie dir angetan hat.

Der Glaube an die Mitschuld des Opfers hält sich hartnäckig — nicht nur bei den Betroffenen selbst. Sie müssen von Schuldgefühlen entlastet werden, und die Verantwortung für die erlittene Gewalt ist klar dem Täter oder der Täterin zuzuweisen.

Alle diese Botschaften beinhalten Themen, die Eltern und Bezugspersonen von Kindern gut in ihren Erziehungsalltag einfliessen lassen können. Es handelt sich um Inhalte, die aus unterschiedlichem Anlass, in jedem Alter und in vielen alltäglichen Situationen angesprochen werden können.

Denken Sie aber daran, dass Sie als erwachsene Person einem Kind als Vorbild dienen. Kinder und Jugendliche lernen vor allem dann, wenn sie das Gesagte auch erleben. So ist es z.B. von ausschlaggebender Bedeutung, wie behutsam und respektvoll Sie selbst mit Ihren eigenen Grenzen und denjenigen eines Kindes umgehen.

Sexuelle Ausbeutung zu verhindern bedeutet nicht nur, die möglichen Opfer zu stärken, sondern ebenso zu verhindern, dass ein Kind später selbst zum Täter wird. Jungen wie Mädchen werden auf ein ganz bestimmtes Spektrum an Verhaltensweisen und Ausdrucksformen eingeengt und festgelegt. Ein «richtiger» Junge etwa soll sich nicht ängstlich oder hilflos, sondern draufgängerisch und erfolgsorientiert verhalten. «Richtige» Mädchen hingegen fluchen und schreien nicht, sie sind einfühlsam und fürsorglich, suchen weniger den beruflichen Erfolg als die Erfüllung in Familie und Haushalt. Die klischeehafte Darstellung zeigt es: Herkömmliche Rollenbilder engen ein.

Eine Erziehung, die Geschlechterbilder und –rollen hinterfragt, die Jungen und Mädchen zu gleichgestellten Partnerinnen und Partnern macht, ist demnach ein wichtiger Beitrag zur Verhinderung sexueller Ausbeutung: Kinder lernen, einander zu respektieren und zu achten und die ganze Palette an Verhaltensweisen und Gefühlen zeigen zu können.

Was tun, wenn es bereits geschehen ist?

Das Wissen darüber, dass sexuelle Gewalt ausgeübt wird, oder auch nur ein entsprechender Verdacht erzeugen einen enormen Druck. Leider sind überstürzte Schritte wenig hilfreich für ein betroffenes Kind und bewirken genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich beabsichtigen, nämlich die sexuelle Ausbeutung zu beenden. Beachten Sie darum folgende Grundsätze, wenn Sie von sexueller Ausbeutung erfahren:

  • Glauben Sie dem Kind! Kinder sagen in solchen Fällen in der Regel die Wahrheit, sie erfinden erlittene sexuelle Gewalt nicht. Gerade kleineren Kindern sind Details über sexuelle Handlungen normalerweise nicht bekannt. Das Kind ist darauf angewiesen, dass ihm jemand Glauben schenkt.
  • überstürzen Sie nichts! Ruhe und Besonnenheit sind jetzt besonders wichtig. Lassen Sie sich Zeit, sich zu informieren und beraten zu lassen und zu überlegen, wie Sie dem Kind am besten helfen können. Panik oder überstürzte Reaktionen können das Mädchen oder den Jungen wieder zum Schweigen und in eine noch schwierigere Situation bringen als zuvor.
  • Holen Sie sich Hilfe! Nicht nur das betroffene Kind, sondern auch Sie selbst benötigen jetzt Hilfe. Sie brauchen mit diesem Problem nicht allein zu bleiben, sondern Sie haben ein Recht auf Beratung und Unterstützung. Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle, die Ihnen weiterhelfen kann. Ein Verzeichnis von geeigneten Stellen in Ihrem Kanton finden Sie auf den nachfolgenden Seiten.
  • Das Mädchen oder der Junge ist nicht verantwortlich für das, was ihm passiert ist. Machen Sie dem Kind keine Vorwürfe, auch dann nicht, wenn es Ihnen vielleicht erst spät davon erzählt hat. Loben Sie es für seinen Mut, Ihnen davon zu berichten, und nehmen Sie eindeutig Partei für das Kind. Die Verantwortung für sexuelle Ausbeutung liegt immer bei der erwachsenen (oder allenfalls jugendlichen) Person.
  • Denken Sie daran, dass das oberste Ziel all Ihrer Bemühungen immer der Schutz des Kindes vor weiterer Gewalt sein soll. Das gelingt allerdings nicht immer, und darum ist es umso wichtiger, ruhig und überlegt vorzugehen, um den bestmöglichen Weg zu finden, wie dem betroffenen Mädchen oder Jungen geholfen werden kann. Glücklicherweise gibt es heute in vielen grösseren Städten spezialisierte Beratungsstellen und kantonale Opferhilfestellen, bei denen Sie in einer solchen Situation die nötige Hilfe und Unterstützung finden.

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