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Physische Gewalt an Kindern

Auf dieser Website finden Sie Informationen zum Thema «Physische Gewalt an Kindern». Ausführlicher informiert Sie unsere Broschürenreihe «Gewaltfreie Erziehung» (5 Broschüren zu: Physische Gewalt, Psychische Gewalt, Sexuelle Ausbeutung, Vernachlässigung, Strukturelle Gewalt sowie eine Begleitbroschüre). Die Broschüren können bezogen werden bei Kinderschutz Schweiz in Bern info@kinderschutz.ch, Telefon 031 398 10 10.

Was ist körperliche Gewalt?

Kinder werden geschlagen. Sie erhalten Ohrfeigen, Schläge auf die Hände oder auf den Hintern, sie werden an den Haaren gezogen, mit den Füssen getreten, mit Gürteln, Teppichklopfern, Kleiderbügeln, Schuhen oder Kabeln geschlagen oder werden gezwungen, einzelne Körperteile in eiskaltes oder heisses Wasser zu tauchen.

Um Kinder zu bestrafen, finden Eltern offensichtlich unzählige Möglichkeiten körperlicher Gewalt — oftmals steigern sie die Härte ihrer Strafen. So bleibt es selten beim «lediglich feinen Klaps auf den Hintern». Vielmehr steht ein solcher häufig am Anfang einer Kette von immer härteren Strafen — bis zur schweren Misshandlung.
Ein weiteres Beispiel körperlicher Gewalt ist das Schütteln von Neugeborenen oder Kleinkindern. Diese massive Form von Gewalt kann gerade bei sehr kleinen Kindern zu bleibenden Schädigungen (Schütteltrauma) oder gar zum Tod führen.

Wer glaubt, körperliche Strafen führten in der Erziehung zum Erfolg, irrt: Vier von fünf Eltern, die körperliche Strafen anwenden, bestätigen, durch diese Strafen das beabsichtigte Ziel nicht zu erreichen. 10 Prozent der befragten Eltern bestätigen, die Situation verschlimmere sich durch Schläge sogar, und nur knapp 10 Prozent sind der Meinung, körperliche Züchtigung diene der Kindererziehung. An einen langfristigen Erfolg glaubt niemand.

Wären körperliche (und viele anderen) Strafen so nützlich, wie manche Leute glauben, müssten sie nicht so häufig angewendet werden!

Wie viele Kinder sind von körperlicher Gewalt betroffen?

Von körperlicher Gewalt ist die Mehrheit aller Kinder betroffen: Kinder erfahren körperliche Gewalt durch Eltern, Erziehungsberechtigte oder durch andere Erwachsene. Eine Befragung von Eltern (2008 Personen), die 1992 in der Schweiz durchgeführt wurde, hat ergeben, dass Gewalt gegen Kinder ?? vor allem gegen Knaben — gehäuft von der Geburt bis zum 7. Lebensjahr vorkommt.

Wie verbreitet Gewalt als Erziehungsmittel ist, spiegelt sich in folgenden Zahlen wider:
Von den rund 200 000 Kindern im Alter von 0 — 2 1/2 Jahren wurden ca. 5 000 (2,4%) manchmal bis sehr häufig mit Gegenständen geschlagen; knapp 22 000 Kinder (11%) erhielten manchmal bis sehr häufig Schläge irgendwelcher Art und knapp 29 000 Kinder (14,2%) erhielten manchmal bis sehr häufig Ohrfeigen. Noch häufiger werden die 2 1/2- bis 7-Jährigen geschlagen. Es ist davon auszugehen, dass in der Schweiz 4 von 5 Knaben körperlich gezüchtigt werden.

In welchem Umfeld kommt körperliche Gewalt vor?

Grundsätzlich ist niemand davor gefeit, körperliche Gewalt anzuwenden. Beim grossen Ausmass, in dem diese Form von Gewalt angewendet wird, sind Merkmale der Täter und Täterinnen und spezifischer Situationen und Bedingungen kaum aussagekräftig zu erheben. Wenn 80% der Kinder körperlich bestraft werden, entspricht dies einer überwiegenden Mehrheit von Kindern als Opfer und damit auch der Mehrheit von Erwachsenen als Gewalt Ausübende. Spezifische Persönlichkeitsmerkmale sind unter diesen Umständen nicht festzustellen. So 'normal' (statistisch gesprochen) Gewalt gegen Kinder ist, so herkömmlich und üblich sind auch die Merkmale und Charaktere jener, die Gewalt anwenden.

Als Ursachen der Gewalt müssen immer viele unterschiedliche Faktoren in Betracht gezogen werden. Meist wirken individuelle, familiale, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammen. Wo z.B. persönliche Krisen, Partnerschafts- und Arbeitsplatzprobleme, gesundheitliche, finanzielle, schulische und weitere Schwierigkeiten aufeinander treffen, wo das Angebot an Hilfe und Unterstützung gering ist, wo Gewalt eine hohe Akzeptanz hat usw., dort ist die Gefahr gross, dass Gewalt eher auftritt.

Welche Folgen kann körperliche Gewalt haben?

Schläge und andere Angriffe auf den Körper eines Kindes können zu körperlichen Verletzungen führen, zu Verletzungen der Weichteile, von Knochen und Gelenken oder der Haut. Im Extremfall führen sie zum Tod — insbesondere bei sehr jungen Opfern (Schütteltrauma). Nicht weniger gravierend können die seelischen Verletzungen sein, die durch körperliche Gewalt entstehen.

Körperstrafen beeinflussen einerseits die Beziehungen zwischen einem Kind und seinen Eltern und andererseits die Entwicklung der Persönlichkeit eines betroffenen Kindes: Das Vertrauen in die Erziehungsberechtigten wird erschüttert, und das Selbstvertrauen sowie das Selbstwertgefühl eines Kindes leiden empfindlich. Schläge machen Kinder schwach.

Geschlagen und angegriffen zu werden, löst viele Gefühle aus: Trotz und Widerstand, Wut, Rachewünsche, aber auch Ohnmacht und Niedergeschlagenheit; geschlagene Kinder ziehen sich oftmals zurück. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie geschlagen werden?

Was tun, wenn Sie von Misshandlungen eines Kindes Kenntnis haben?

Wenn Sie von Misshandlungen von Kindern Kenntnis haben, oder wenn Sie vermuten, dass ein Kind misshandelt wird, nehmen Sie Ihre Vermutung ernst und lassen Sie Ihr 'ungutes' Gefühl nicht auf sich sitzen. Es ist besser, ein Mal zu früh als ein Mal zu spät oder gar nicht zu handeln. Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr.

Beobachten Sie und sammeln Sie sämtliche Informationen, die Sie haben. Halten Sie die Informationen schriftlich fest.
Entscheiden Sie sich, ob Sie selber mit den betreffenden Eltern Kontakt aufnehmen oder ob Sie sich an Fachpersonen wenden möchten.

Wenn Sie den Kontakt und das Gespräch mit den Eltern suchen, denken Sie daran, dass es nicht darum geht, nach Schuldigen zu suchen oder die Eltern zu verurteilen. Ziel eines Gesprächs muss sein herauszufinden, wie den Eltern am besten geholfen werden kann, dass sie in Zukunft auf Gewalt verzichten können.

Ueberlegen Sie sich genau, ob Sie mit einem direkten Gespräch den Druck auf Eltern und Kinder nicht erhöhen und damit eine Hilfestellung erschweren.

Meistens ist es in solchen Situationen der Sache dienlicher, wenn Sie mit einer Fachperson, einer Fachstelle oder allenfalls sogar mit der zuständigen Behörde Kontakt aufnehmen. Sie können, wenn nötig noch ohne Namen zu nennen, über Ihre Beobachtungen und Informationen sprechen.

Mit Fachleuten (Fachstellen) können Sie das weitere Vorgehen besprechen. Eine Möglichkeit besteht darin, der zuständigen Behörde (Vormundschaftsbehörde) Meldung zu machen.

Die Vormundschaftsbehörde hat die Pflicht, immer dort, wo das Wohlergehen eines Kindes gefährdet erscheint, die nötigen Untersuchungen in die Wege zu leiten und allfällige Massnahmen zur Behebung der Gefährdungssituation zu beschliessen.

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